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Die zwölf Punkte des Verrats

belyayevOriginal: Mikhail Belyayev LiveJournal
Englische ÜbersetzungGleb Bazov / Edited by @GBabeuf
Übersetzung ins Deutsche: @OggJason

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, wie vollständiger und bedingungsloser Verrat aussieht? Wie ein Messer aussieht, das von einer ruhigen Hand genau zwischen die Schulterblätter gestoßen wird während einer freundlichen Umarmung? Wie wirkt das Gift, das in das Glas mit Wasser für einen Durstigen gemischt wurde? Es zeigt sich, dass dies alles sehr viel gewöhnlicher und prosaischer aussieht, als es sich selbst die dürftige und verarmte menschliche Phantasie vorstellen kann. Es stellt sich heraus, dass das es nicht mehr ist als zwei Blatt Papier, mit einer Reihe von Unterschriften am von trockenem, durchnummeriertem Text.

Der veröffentlichte Text des Waffenstillstandsabkommens, das in Minsk unterzeichnet wurde, das ist wie echter Verrat aussieht. Der Verrat an allem für das die Milizionäre aus Neurussland kämpften und für das sie starben. Verrat an Neurussland selber, denn auf Grundlage des Textes dieser Vereinbarung ist weder Platz für Neurussland, noch für die  Milizen und schon gar nicht für irgendeinen „Sonderstatus“ der Volksrepubliken vorgesehen.

Alles, was dieses sogenannte Waffenstillstandsabkommen beinhaltet, ist ein temporärer Status der lokalen Selbstverwaltung in bestimmten Bereichen der Regionen Donezk und Lugansk. Und sogar das ist vorbehaltlich der vollständigen Beseitigung der Miliz und der Freilassung aller ukrainischen Kriegsgefangenen. Darüber hinaus wird die Miliz verpflichtet nicht nur die Waffen niederzulegen, sondern auch das Gebiet der Ukraine zu verlassen. Im Gegenzug verspricht Ukraine Amnestie für die Teilnehmer dieses Konflikts, einen nationalen Dialog und einige Maßnahmen, um die humanitäre Situation im Donbass zu verbessern. Die LPR und die DNR selbst werden im Vertragstext nicht erwähnt und ihre Vertreter haben ohne Titel und Rang unterzeichnet.

Unabhängigkeit und Eigenstaatlichkeit? Neurussland? Temporäre Sonderbestellung in einigen Regionen von Donezk und Lugansk Regionen, das ist alles was man bekommt vom unabhängigen Neurussland. Da habt ihr die ganze Freiheit und Souveränität. Tausendmal kann diese Worte zu schreiben, sie auf Papier drucken und dann schieben sie sich einem immer tiefer in Kehle. In jedem Fall ist der Tod durch Erdrosseln besser als vor Scham zu sterben. Die Ukraine schafft es noch nicht einmal den Volksrepubliken Autonomie zu geben. Sie läßt sich noch nicht einmal dazu herab, diese beiden Republiken im Vertrag zu erwähnen. Vorläufige Selbstverwaltung in bestimmten Bereichen – das ist die Spitze der ukrainischen Großzügigkeit für den rebellischen Donbass.

Die Milizionäre? Im Rahmen dieser Vereinbarung sind sie jetzt Exilanten und müssen die Donbass verlassen. Für immer. Ja, gnädige ukrainischen Seite verpflichtet sich, ihnen zu verzeihen und sie nicht strafrechtlich zu verfolgen. Aber erst nachdem sie ihre Waffen niedergelegt haben und sich vom Territorium der Ukraine entfernt haben. Schließlich müssen, laut dem Vertrag, all die illegalen bewaffneten Gruppen (das bedeutet die Miliz) müssen sofort aus der Ukraine zurückgezogen werden.

Kriegsgefangene? Nur die Miliz ist zur Freilassung verpflichtet. Der Text der Vereinbarung bezieht sich nur auf Geiseln und illegal inhaftierte Personen und aus der Sicht der Rechtsvorschriften der Ukraine  ist die Festnahme von Milizionären  vollkommen legal. Wie bei Terroristen. Immerhin ist dieses das Etikett, dass die Ukraine ihnen angeheftet hat.

Das ist noch nicht einmal ein neues Chassawjurt. Gemäß den Chassawjurt Vereinbarungen hatte Russland der tschetschenischen Republik von Itschkeria den Beitritt zumindest nicht  versprochen und war nicht bereit, die eine eigene Armee aus dem Land zu vertreiben. Diese Vereinbarung ist so etwas von unverständlich und indiskutabel. Es bleibt ein Geheimnis, wie die Vertreter Neurusslands ein solches Meisterwerk an ukrainischem Ehrgeiz und Arroganz unterzeichnen konnten.

Die Einhaltung eines solchen Vertrages, das ist wie – lüstern und mit großem Gefallen – jedem ermordeten Milizionär oder Zivilisten in das Gesicht zu spucken, mitten ins Gesicht gespuckt allen, die im Gewerkschaftshaus in Odessa verbrannt sind, mitten ins Gesicht gespuckt der „Madonna von Gorlovskoy” und ihrem ermordeten Kind, mitten ins Gesicht gespuckt all denen die verkrüppelt zurückgelassen wurden, allen, die in der Blüte ihres Lebens zurückgelassen, ohne Arme, ohne Beine oder ohne Augen, all denjenigen, die bis zu ihrem Tod nun wegen dieses Krieges verkrüppelt sind. Und auch – mitten ins Gesicht gespuckt denjenigen, deren Wohnstätten von der ukrainischen Artillerie und Luftwaffe zerstört wurden, all denjenigen, die ihre Existenzgrundlage, das Dach über ihrem Kopf und ihr vertrautes Leben verloren haben, all denjenigen, die alles verloren haben und viele Monate lang ihre Freunde und Verwandten, Ehemänner und Söhne begraben mussten. Denen, die nicht länger lebten, nur überlebten, nachdem der Krieg über ihr Land hereinbrach.

Ja, Frieden ist notwendig. Er wird von beiden benötigt, von Neurussland und der Ukraine. Dieser Krieg hat bereits zu vielen Menschen das Leben gekostet und brachte auch zu viel Leid. Aber was man braucht ist ein echter Friedensvertrag und die anschließende Scheidung in zwei Staaten. Und die Papiere, die in Minsk unterzeichnet wurden, die stellen keinen Friedensvertrag dar. Sie beinhalten einen Akt der bedingungslosen Kapitulation, der in der Welt keine andere Bedeutung hat, als dem Einverständnis mit der Annexion der Verliererseite.

Wir hoffen sehr, dass diese Vereinbarung an der Front einfach ignoriert wird, dass sie weggewischt wird, wie ein Alptraum und das Neurussland den Kampf fortsetzen wird. Ein Kampf für einen echten Frieden, bis wahre Freiheit und Unabhängigkeit gesichert sind. Schließlich würde Neurussland durch die Erfüllung dieses Vertrages selbst, durch die eigene Hand, Selbstmord begehen.

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