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Baschar-al-Assad: In Syrien riecht es nach 3. Weltkrieg

Vollständiges Exklusiv-Interview der „Komsomolskaja Prawda“ mit Baschar-al-Assad

Baschar-al-Assad:
In Syrien riecht es nach 3. Weltkrieg

von Daria Aslamowa
übersetzt von MATUTINSGROUP

„Komsomolskaja Prawda“, 14. Oktober 2016 – 01:00 Uhr.-   Der Präsident der Arabischen Republik Syrien beantwortete Fragen von Daria Aslamowa, Sonderkorrespondentin der „Komsomolskaja Prawda“.

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Foto: Pressebüro von Baschar-al-Assad

„Komsomolskaja Prawda“: Vielen Dank, Herr Präsident. Ich fühle mich geehrt und glücklich, mit ihnen zusammenzutreffen. (…) Die Situation in Syrien ist mehr als gefährlich und droht unberechenbar zu werden. In den Konflikt werden immer mehr Teilnehmer und Spieler hineingezogen. Wer kämpft derzeit beispielsweise in Syrien? Iran, Libanon (ich meine die Hisbollah), Russland, die Türkei, die von der USA geführte Koalition. China demonstrierte sein Interesse. Sind Sie nicht beunruhigt, daß dieser Konflikt in einen Weltkrieg eskalieren wird? Oder ist er gar der Beginn des 3. Weltkriegs?

Baschar-al-Assad: Zunächst, wenn wir über das Thema sprechen, ist erforderlich, die Ursache für das Problem auszusprechen. Das ist der Terrorismus. Es spielt keine Rolle, wer durch die syrischen Angelegenheiten gestört wird. Sondern vor allem, wer die Terroristen täglich und stündlich unterstützt. Dies ist das Hauptproblem. Finden wir dafür eine Lösung, wird das verwirrende von Ihnen beschriebene Bild an Wert verlieren. Wir können dieses Problem lösen. Denn die Frage ist nicht, wer die heute in die Angelegenheiten des Landes intervenierenden Länder sind, sondern welche Länder die Terroristen unterstützen. Für Russland, Iran und die Hisbollah gilt, daß sie unsere Verbündeten sind und hier auf einer legitimen Grundlage sind. Sie kämpfen gegen die Terroristen. Aber es gibt andere intervenierende Länder, die die Terroristen unterstützen. Die Frage nach den Spielern steht nicht an, sondern die wichtigste Frage ist die des Terrorismus.

Zweitens hinsichtlich 3. Weltkrieg. Vor allem seit der jüngsten Eskalation der Situation in Syrien wird dieser Begriff häufig verwendet. Heute erleben wir eine ähnliche Situation wie in der Entwicklungsphase des Kalten Kriegs. Dies ist etwas, was kürzlich in Erscheinung trat. Wobei ich denke, daß der Westen und vor allem die Vereinigten Staaten den Kalten Krieg auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht stoppten.

„Komsomolskaja Prawda“: Ja, er geht weiter.

Baschar-al-Assad: Es gibt viele Schauplätze in diesem politischen Prozeß. Und Syrien ist einer der wichtigsten. Wir sehen eine Eskalation des Konflikts. Doch ist das Hauptziel dessen, die US-amerikanische Vorherrschaft über die Welt zu bewahren, keinen Partner in der politischen oder internationalen Arena zuzulassen, sei es Russland oder seien es seine Verbündeten im Westen. Daher ist der Geruch des Krieges, welchen Sie als 3. Weltkrieg beschreiben, zwar in der Luft, aber noch keine direkte militärische Auseinandersetzung. Obwohl dies eine militärische, terroristische und politische Komponente hat. Daher sind Sie in Ihrem Gefühl richtig, doch ist Syrien der einzige Teil dieses Krieges.

„DER WESTEN SETZT AUF DIE ZERSCHLAGUNG UNSERES LANDES“

„Komsomolskaja Prawda“: Sie sagten doch, daß Syrien eine wichtige Etappe hin zu diesem Krieg ist. Klar ist, daß Sie ein großes Land sind, Sie Erdöl haben. Aber Sie sind nicht Saudi-Arabien. Warum Syrien?

Baschar-al-Assad: Es gibt viele Aspekte. Wenn wir von einem regionalen Konflikt sprechen, hat Syrien gute Beziehungen mit Iran. Aber Saudi-Arabien will den gesamten Iran aus verschiedenen Gründen völlig zerschlagen. Deshalb wollen sie Syrien gegen Iran ausrichten. Die Zerschlagung Syriens hat negative Folgen für Iran. Ich sehe es so. Der Westen beäugt die langjährige Zusammenarbeit zwischen Russland und Syrien und setzt daher darauf, daß die Zerschlagung Syriens auch einen negativen Einfluß auf Russland hat.

Aber da ist noch etwas anderes, und zwar die historische Rolle Syriens. Jahrhundertelang ist Syrien die Quelle geopolitischer Dynamik im Nahen Osten gewesen. Noch vor Christus war in den Tagen der Pharaonen die Kontrolle über Syrien ausschlaggebend. Um Syrien kämpften gewöhnlich auch die Pharaonen und die Hethiter. Das ist die historische Grundlage. Denn Syrien liegt verkehrsgünstig am Mittelmeer und ist die Trennlinie zwischen den verschiedenen Kulturen. Die Kontrolle über Syrien ist deshalb für die Kontrolle über die gesamte Region wichtig.

Desweiteren ist Syrien ein unabhängiges Land. Aber der Westen wird niemals die Unabhängigkeit eines Landes akzeptieren, egal ob es das kleine Syrien oder das große Russland ist … Was ist sein Problem mit Russland? Russland verteidigt sein Recht, „ja“ oder „nein“ zu sagen. Aber der Westen will, daß ihm ständig zugestimmt wird. Und dasselbe Problem hat der Westen auch mit Syrien.

„Komsomolskaja Prawda“: Einige westliche Medien behaupten, daß der Krieg in Syrien ein direkter Konflikt zwischen Russland und den Vereinigten Staaten ist. Stimmen Sie dem zu?

Baschar-al-Assad: Ja, aus einem einfachen Grund. Als ich sagte, daß der Terrorismus am Anfang des Problems steht, hatte ich im Sinn, daß Russland gegen den Terrorismus zu kämpfen beabsichtigt. Und zwar nicht nur wegen Syrien, sondern auch wegen Russland selbst. Russland kämpft für die gesamte Region, für ganz Europa und die gesamte Welt. Die Russen begreifen, daß der Terrorismus seit dem immer mehr von US-Amerikanern eskalierten Afghanistankrieg in den frühen 1980er Jahren bis heute ständig angewachsen ist, daß die US-Amerikaner glauben, daß der Terrorismus für sie eine Trumpfkarte ist, die sie bei Bedarf immer auf den Tisch werfen können. Sie können sie in der Tasche behalten und zücken, sofern nötig. Deshalb sprechen wir von unterschiedlichen Ideologien mit verschiedenen Ansätzen. Deshalb ist dies natürlich ein russisch-amerikanischer Konflikt. Und auch wenn es zwischen ihnen zum Dialog kommt, sprechen sie über verschiedene Dinge.

ÜBER DIE ROLLE DER TÜRKEI UND ISRAELS

„Komsomolskaja Prawda“: Zu einem neuen Spieler in der Region. Was ist Ihre Meinung über die Rolle der Türkei in diesem Krieg?

Baschar-al-Assad: Das ist keine Intervention, sondern eine Invasion. Diese Intervention ist eine Invasion, egal ob es da um ein kleines oder ein großes Stück syrischen Territoriums geht. Im Gegensatz zu allen internationalen Gesetzen und Sitten richtet sich diese Invasion gegen die syrische Souveränität. Die Türken tarnen ihre wahren Absichten und versuchen, sich selbst zu beschönigen, weil sie den Islamischen Staat und An-Nusra unterstützen.

„Komsomolskaja Prawda“: Glauben Sie, daß sie sie jetzt nicht mehr unterstützen?

Baschar-al-Assad: Nein. Sie unterstützen sie immer noch. Sie kamen jedoch mit den Worten „Wir kämpfen gegen den Islamischen Staat“.

„Komsomolskaja Prawda“: Das ist lächerlich. Wenn die Türken sagen, daß der angebliche Kampf gegen den Islamischen Staat geht, welchen sie selbst geschaffen haben.

Baschar-al-Assad: Zweifellos. Sie schufen den Islamischen Staat, sahen für ihn logistische Unterstützung vor und ließen ihn unser Erdöl durch ihre Territorien an Erdogans Sohn und seinen engeren Kreis verkaufen. Alle von ihnen wurden am Islamischen Staat beteiligt. Das weiß die ganze Welt. Aber aufgrund der Invasion Syriens sprachen sie von den neuen gemäßigten Kräften, die faktisch dieselben Wurzeln wie der Islamische Staat haben. Sie wuchsen aus ihm hervor. Die Türken behaupten, daß mit ihrer Bombardierung des Islamischen Staats die Truppen und vor Ort gemäßigten Kräfte gesiegt hätten. Faktisch übergeben sie einfach die Kontrolle über das Gebiet vom Islamischen Staat zu jenen Kräften, die sie sich selbst herangezüchtet haben. Aber das ist nur ein Spiel für die übrige Welt. Erdogan verfolgt damit den Zweck, Al-Nusra in Syrien zu unterstützen. Und Erdogan will eine Rolle in Syriens Zukunft spielen, wobei ihm egal ist, welche Rolle. Er merkt, daß er wegen der Beziehungen mit dem Islamischen Staat in den letzten Jahren in eine Isolierung geraten ist.

Erdogans Ideologie ist eine Mischung aus der Ideologie der Moslembruderschaft mit ihrem Extremismus und ihrer Gewalt sowie seinen Träumen von einem neuen Sultanat. Mit dem Vermengen dieser beiden Ideologien beabsichtigt er, seine Kontrolle über die Region wiederherzustellen. Deshalb unterstützt er die Moslembruderschaft in den einzelnen Ländern, darunter in Syrien.

„Komsomolskaja Prawda“: Kann Russland mit der Türkei zusammenarbeiten?

Baschar-al-Assad: Für die russisch-türkischen Beziehungen sehe ich das positiv. Obwohl Russland und die Türkei unterschiedliche Ansichten und Positionen haben. Russland stützt seine Positionen auf das Völkerrecht, respektiert die Souveränität der anderen Länder gegenüber der Gefahr durch den Terrorismus in der Welt. Aber die türkische Seite respektiert nicht die Souveränität Syriens, sie unterstützt die Terroristen. Wir sehen zwei unterschiedliche Pole, die zueinander im Widerspruch stehen. Dennoch ist diese neue Annäherung zwischen der Türkei und Russland unsere einzige Hoffnung, daß Russland die türkische Politik zu ändern vermag. Und ich bin sicher, daß dies das erstrangige Ziel der russischen Diplomatie gegenüber der Türkei in diesen Tagen ist. Und zwar der Wunsch, den Schaden zu verringern, welche die Türkei Syrien zufügt. Ich hoffe, daß die Russen sie überzeugen können, die Terroristen und Söldner zu stoppen und damit aufzuhören, sie mit Geldströmen über die türkische Grenze zu unterstützen.

Ich denke, daß die Weisheit der russischen Regierung gebietet, gute Beziehungen mit dem türkischen Volk zu wünschen. Und das ist absolut richtig.

„Komsomolskaja Prawda“: Sehr merkwürdig ist, daß der Islamische Staat mit seiner Ideologie nie Israel bedrohte, und daß Israel niemals den Islamischen Staat bedrohte, Es sieht wie eine gewisse Vereinbarung zwischen ihnen aus. Ist dies möglicherweise nicht Freundschaft, sondern Neutralität? Warum ist es so? Und welche Rolle spielt Israel in diesem Krieg?

Baschar-al-Assad: Nicht nur der Islamische Staat, nicht nur An-Nusra, sondern jeder beliebige Terrorist, der mit einer Maschinenpistole in den Händen Syrien tötet, wird von Israel unterstützt. Manchmal macht Israel es indirekt und übergibt geheime Informationen an die Terroristen.Und manchmal leitet Israel mittels direkter Intervention etwas weiter, wenn es Schläge auf Stellungen der syrischen Armee führt. Warum? Weil Israel Syrien als Feind betrachtet. Und für sie ermöglicht jede Schwächung des Staates, der Armee und der Gesellschaft Syriens, den Friedensprozess mit dem Preis der Rückgabe der okkupierten Golanhöhen zu behindern. So dass sie sich selbst dann, wenn Syrien mit etwas anderem beschäftigt ist, mit dem Problem Golanhöhen und Friedensprozess nicht beschäftigen müssen. Sie würden nichts machen, um Gebiet zurückzugeben. Und deshalb unterstützt Israel jeden beliebigen Terroristen und gibt es keine Widersprüche zwischen Israel und einer Organisation wie An-Nusra, IS, oder einer sonstigen Gruppierung, die mit Al-Qaeda verbunden ist.

DAS LEBEN UNTER DEN BEDINGUNGEN DER TEILMOBILMACHUNG

„Komsomolskaja Prawda“: Ich reiste durch Syrien. Ihre Armee ist ausgeblutet, das ist offenkundig so. Aber andererseits, wenn ich in Damaskus die Cafés gefüllt mit jungen Männern sehe, die seit morgens Kaffee trinken, frage ich mich: Wer sind diese jungen Männer? Mir sagt man, daß sie Studenten sind. Anschließend sehe ich Fitness-Centers mit jungen Männern, die ihre aufgeblähten Muskeln präsentieren. Was tun sie hier? Schicken Sie sie alle an die Front! Ich verstehe nicht, warum es keine allgemeine Mobilmachung an die Front gibt, wie zum Beispiel wir sie im Grossen Vaterländischen Krieg hatten.

Baschar-al-Assad: Wir haben derzeit eine teilweise Mobilmachung. Warum teilweise?, Weil die allgemeine Mobilmachung bedeutet, dass jeder in den Kampf ziehen muß. Was bedeutet, es gibt keine Studenten, es gibt keine Lehrer an den Universitäten, es gibt keine Lehrer in den Schulen, es gibt keine Arbeiter in den Betrieben, es gibt keine Bauarbeiter und keine Fahrer, und alle müssen nur für die Regierung arbeiten. Alle werden Teil des Krieges.

Das ist normal, wenn ein Krieg ein paar Wochen oder einige Monate andauert. Aber für einen Krieg, der schon sechs Jahre dauert, bedeutet dies die Lähmung der Gesellschaft und die Lähmung des Landes. Sie können den Krieg mit einer gelähmten Gesellschaft nicht gewinnen. Und deshalb müssen Sie ein Gleichgewicht zwischen dem Krieg und den Hauptbedürfnissen der Gesellschaft haben: Universitäten, Krankenhaus, soziale Dienstleistungen. Deshalb ist von unserem Standpunkt her dieses Gleichgewicht lebenswichtig.

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Foto: Syriens Präsident Baschar-al-Assad mit Familie. Photo: EAST NEWS

„Komsomolskaja Prawda“: Obwohl ich arabisch nicht verstehe, wenn ich Ihr Fernsehen sehe, scheint mir, dass in diesem Land Frieden herrscht. Sehr wenig geht es dort um den Krieg. Es gibt Sportsendungen, Kinder- und Schulprogramme. Ich sage mir: „Bei Gott! Ich höre die Explosionen von Minen in der Stadt, aber es ist so, als ob nichts geschieht“. Mir scheint es, dass dies alles all zu viel ist. Wenn Sie wünschen, Patriotismus im Volk zu wecken, müssen Sie denen sagen: „Jungs, wir haben hier einen großen Krieg. Jedes Land kann hier reinkommen. Ich sehe keinen Frieden.“

Baschar-al-Assad: Die Medien sind nicht losgelöst von dem, was geschieht. Aber wir müssen ein Gleichgewicht haben zwischen dem, was wir brauchen, um das wirkliche Leben zu zeigen, und zugleich auch den Menschen die Möglichkeit zur üblichen, wenn auch nicht ganz normalen Realität bieten. Natürlich gibt es bei uns unterschiedliche Sichtweisen in den Medien, weil Medien eine andere Wahrnehmung der Realität haben. Wenn wir nicht weiterleben, dann haben die Terroristen ihr Ziel erreicht und gesiegt.

„Komsomolskaja Prawda“: Wir hatten eine ähnliche Erfahrung während des Grossen Vaterländischen Krieges. Die Städte haben sich geleert. Es blieben einige Frauen. Die Männer waren an der Front. Ich werde meine Familie als Beispiel anführen. Die vier älteren Brüder meines Vaters sind an die Front gegangen. Und er verließ die Schule, als er 13 Jahre alt war, und ging in eine Fabrik, um Munition herzustellen. Das war damals normal. Wir hätten in diesem Krieg niemals gesiegt, wenn alle Männer an die Front geschickt worden wären.

Baschar-al-Assad: Wenn wir jedoch vom Krieg reden, dann spielt sich der Krieg nicht nur an der Front ab. Er wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Einen Großteil unseres Krieges macht nicht nur der Terrorismus aus. Wir haben auch einen parallelen Krieg. Das ist der Wirtschaftskrieg. Wir stehen unter einem Embargo. Wir müssen alles machen, damit sich das Rad der Wirtschaft dreht. Deshalb müssen wir alle unsere Bemühungen auf das Leben richten. Denn ohne dieses normale Leben läuft bei uns die gesamte Wirtschaft nicht. Verstecken sich alle wegen des Kriegs in den Häusern, können wir nichts mehr produzieren.

„WIR VERTRAUEN RUSSLAND UND SEINER POLITIK“

„Komsomolskaja Prawda“: Warum haben Sie im kritischsten Moment Russland um Hilfe gebeten? Als fast alles zusammengebrochen ist und sogar Ihr Leben in Gefahr war.

Baschar-al-Assad: Zunächst einmal gibt es die traditionellen Beziehungen zwischen Syrien und Russland, welche sich sogar in der schlimmsten Periode nach dem Zerfall der UdSSR gut entwickelten.

„Komsomolskaja Prawda“: Ist es das, warum Sie nicht früher um Hilfe bitten konnten?

Baschar-al-Assad: Nein. Wir baten von Anfang an um Hilfe. Aber erst im vorigen Jahr erreichte die Zuspitzung des Konflikts die höchste Ebene. Bis dahin siegte die syrische Armee. Unsere Gegner sahen mit an, daß wir angriffen. Sie erhöhten den Zustrom von Terroristen und Söldnern aus dem Ausland. Immer mehr Ausländer aus verschiedenen Ländern gelangten hierher. Sie kamen aus über 100 Ländern!

Aber Syrien ist ein kleines Land mit einer kleinen Bevölkerung. Und deshalb benötigten wir die Hilfe unserer Freunde. Es intervenierten Iran, die Hisbollah. Aber mit der Intervention Russlands, dieser Großmacht, änderte sich Kräfteverhältnis zu unseren Gunsten. Deshalb war es für uns selbstverständlich, die Russische Föderation um Hilfe zu bitten. Die Russen halfen uns in der Vergangenheit, natürlich nicht durch Luftwaffenunterstützung. Aber sie lieferten uns alles. Sie versorgten uns mit der erforderlichen Logistik. Sie lebten auch unter uns. Wir haben russische Militärexperten, die hier seit Jahrzehnten lebten.

Im Jahr 2014 stellten sie fest, daß das Kräfteverhältnis sich durch die Unterstützung des Westens und weiterer Länder wie Saudi-Arabien, der Türkei und Katars zugunsten der Terroristen änderte. Daher waren die Russen für eine direkte Intervention bereit. Und wir luden sie dazu ein. Wir vertrauen Russland und seiner Politik. Die russische Politik gründet sich auf die Moral, nicht nur auf den Profit. Wir wissen, daß sie uns unterstützen, um den Terrorismus zu zerschlagen. Und nicht, weil sie nach einer Gegenleistung fragen wollen. Bis zu diesem Moment haben sie alle uns um nichts gebeten. Alle diese Faktoren haben mich und die syrische Regierung dazu bewogen, Russland um Hilfe zu bitten.

„DIE SAUDIS BOTEN HILFE IM AUSTAUSCH GEGEN EINEN BRUCH MIT IRAN AN“

„Komsomolskaja Prawda“: Vor der sogenannten Revolution bin ich überzeugt gewesen, dass Sie Angebote von Ihren jetzigen Gegnern bekamen. Vielleicht irgendwelche Geschäfte. Was wollten sie von Ihnen? Ich hörte, dass Katar eine Erdgas-Pipeline durch Syrien bauen wollte. Ist dem so oder nicht?

Baschar-al-Assad: Die Angebote fingen erst nach der Krise an. Denn unsere Gegner wollten die Krise als Druckmittel einsetzen. Sie fingen an zu sagen, daß sie uns helfen wollen, wenn wir das machen würden, was sie wollen.

„Komsomolskaja Prawda“: Was wollten sie denn von Ihnen?

Baschar-al-Assad: Vor dieser Krise wollten sie uns nicht direkt benutzen. Sie machten uns kein Vorschläge und versuchten nicht, uns zu überzeugen, daß wir machen, was für sie wichtig ist. Dann war die Atomsache Irans das internationale Hauptproblem. Sie forderten, dass Syrien Iran überzeugt, auf seine Interessen zu verzichten. Frankreich forderte, Saudi-Arabien wollte, dass wir mit dem Iran ohne Erklärung brechen. Nur weil sie den Iran hassen.

„Komsomolskaja Prawda“: Wollten sie eine Erdgasleitung durch Syrien bauen?

Baschar-al-Assad: Nein, sie sprachen davon nicht, weil in diesem Fall Syrien ein wichtiger Spieler im Energiesektor werden würde. Die Pipeline sollte vom Osten her von Iran durch den Irak und Syrien zum Mittelmeer gehen. Eine andere Pipeline sollte von den Golfstaaten her durch Syrien bis nach Europa gehen. Ich denke, dass der Westen dies für Syrien nie zuließ, weil Syrien dadurch einflußreicher werden würde, weil Syrien keine westliche Marionette ist. Wir denken, dass das einer der Faktoren war, obwohl davon nicht geredet wurde. Aber als der Krieg begann, erhielten wir ein direktes Angebot von den Saudis.

„Komsomolskaja Prawda“: Verzeihen Sie, von wem?

Baschar-al-Assad: Von den Saudis.

„Komsomolskaja Prawda“: Von den Saudis?!

Baschar-al-Assad: Wenn wir mit Iran brechen und den Bruch aller Beziehungen mit Iran erklären, so haben sie gesagt, dann würden sie mir helfen. Sehr einfach und direkt.

DABIK APOKALYPSE –
DIE HAUPTSCHLACHT ZWISCHEN DEM GUTEN UND DEM BÖSEN

„Komsomolskaja Prawda“: Sie sagten in einem Interview, daß dies ein schwieriger Krieg ist, weil man zwar die Terroristen töten kann, Sie aber deren Ideologie nicht töten können. Als ich an der Front mit Ihren Offizieren sprach, sagten sie mir, wie man mit einem Menschen kämpfen kann, der sich vor dem Tod nicht fürchtet. Für ihn bedeutet der Tod einen Glücksfall, da danach 72 Jungfrauen im Paradies auf ihn warten. Aber unsere Soldaten sind normale Menschen, sie fürchten den Tod. So dass die Kampfmoral nicht identisch ist. Die Kampfmoral ist bei den Terroristen höher. Wie kann man diese Ideologie vernichten?
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Foto: Pressebüro von Baschar-al-Assad

Baschar-al-Assad: Sie haben Recht. Wenn Sie von diesen ideologischen Kämpfern oder den Terroristen sprechen, die gegen unsere Armee kämpfen, so ist die einzige Möglichkeit, sie zu schlagen, die Liquidierung. Es gibt keinen anderen Weg. Für sie ist der Dialog nicht nötig. Konkret gibt es gar keine Zeit für einen Dialog. Wir müssen die Bürger verteidigen, und deshalb müssen wir die Terroristen liquidieren. Obwohl dies nicht genug ist. Das ist wie in einem Videospiel — sie entstehen immer wieder neu. Tötet man einen Kämpfer, dann erscheinen zehn neue. Es gibt einfach kein Ende dieses Prozesses.

Am wichtigsten ist auf allen Ebenen der Kampf gegen ihre Ideologie, die wir als gewalttätige Ideologie durch eine gemäßigte ersetzen müssen. Es ist unmöglich, gegen den Radikalismus im Islam von irgendeiner anderen Ideologie außer dem gemässigten Islam anzukämpfen. Das ist der einzige Weg. Aber er erfordert Zeit und die Arbeit mit der neuen Generation.

Aber die Hauptsache ist, den Geldfluß zu stoppen, welchen die saudi-arabische Regierung, ihre Nichtregierungsorganisationen und ihre Einrichtungen für die weltweite Verbreitung der wahhabitischen Ideologie hervorbringen. Man kann nicht sagen: Ich bin im Begriff, gegen diese Ideologie zu kämpfen und zugleich ihren Scheichs und Imams ermöglichen, mit ihrem Tun diese finstere Ideologie zu propagieren. Das ist unmöglich.

Aber dies geschieht in Europa. Wir sprechen da über die 3. und 4. Generation der Moslems, die in Europa wohnen. Denn jetzt schicken sie uns Terroristen aus Europa. Sie lebten nie in dieser Region, sprechen nicht arabisch, lesen nicht den Koran. Jedoch sind das Extremisten, weil der Westen die Infiltration von wahhabitischer Ideologie in der EU ermöglicht hat.

Deshalb werden wir mit verschiedenen Dingen konfrontiert. Wir müssen uns mit ihren mächtigen Medien befassen, die von den Petrodollars Saudi-Arabiens und der Golfstaaten zur Propagierung des Extremismus finanziert werden. Was muß ich diesbezüglich tun? Dies erfordert viele parallel laufende Bemühungen. Aber das ist die einzige Chance, sie zu schlagen. Wir müssen die Terroristen physisch vernichten, auch wenn dies nur ein Teil der Lösung und nicht die gesamte Lösung ist.

„Komsomolskaja Prawda“: Ich fühlte immer etwas Mystisches in diesem Kampf um Damaskus. Erst später wurde mir klar, warum so viele Söldner hierher kommen. Ein islamischer Theologe erklärte mir, daß sie wirklich glauben, in der syrischen Stadt gäbe es Dabik Apokalypse, die Hauptschlacht zwischen dem Guten und dem Bösen. Daher sind sie nun bereit. Ich war beispielsweise in Bosnien. Und viele Fanatiker sagten mir, wir seien Dabik. Für sie ist es Mystik. Und ich weiß nicht, wie dagegen anzukämpfen ist.

Baschar-al-Assad: Ganz richtig!

„Komsomolskaja Prawda“: Weil eine gewaltige Propaganda abläuft: Geht in den Dabik! Geht nach Syrien! Weil gerade dort die Apokalypse kommen wird.

Baschar-al-Assad: Syrien ist wie ein heiliger Platz für die Schlacht. Will man ins Paradies geraten, muß man nach Syrien gehen. Stirbt man an einem anderen Ort, dann wird man nicht in das Paradies gelangen. Das ist Teil ihrer Ideologie.

„Komsomolskaja Prawda“: Sind sie überzeugt, sofort in das Paradies zu kommen, wenn sie in Syrien umkommen?

Baschar-al-Assad: Sie denken so. Beispielsweise sind einige von ihnen vom persönlichen Iftar (Fastenbrechendes Frühstück) mit dem Propheten im Ramadan überzeugt, wenn sie eine größere Zahl unschuldiger Menschen töten. Sie glauben daran. Ihre Hirnwäsche ist vollendet. Dafür kann man sie nicht mal beschuldigen, denn sie sind einfach unwissend. Viele von ihnen sind Jugendliche. Sie mißbrauchen sie einfach.

„Komsomolskaja Prawda“: Ja, manchmal einfach noch Kinder…

Baschar-al-Assad: Genau. Es gibt eine komplette Maschinerie, die seit Jahrzehnten arbeitet, die die Hirnschäsche betreibt, den Extremismus in die islamische Welt und in die mohammedanische Diaspora einbringt.

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„Komsomolskaja Prawda“: Sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen der russischen Hilfe im vergangenen Jahr? Erzielten wir nennenswerte Erfolge?

Baschar-al-Assad: Vor Eintreffen Russlands gab es hier das sogenannte US-amerikanische Bündnis, dessen Handlungen illusorisch aussahen. Da wurde nichts unternommen. IS und An-Nusra bewegten sich frei, sie hatten eine Menge Kämpfer. Darüber hinaus verstärkte sich lediglich die Rekrutierung von Terroristen. Sie kamen an immer mehr Erdöl für den Export und Verkauf durch die Türkei heran. Aber nach der russischen Intervention verringerte sich das von den Terroristen kontrollierte Territorium. Die Tatsachen sprechen für sich: Jeder sonstige Effekt war trivial. Die Russen änderten das Kräftegleichgewicht bei den Bodentruppen zum Nachteil der Terroristen.
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Foto: Aufschrift auf dem Dach eines Hauses in der Provinz Latakia unweit vom Flugplatz „Chmejmim“ von Wadim Sawizkij/mil.ru

DIE KURDISCHE FRAGE — NUR DURCH REFERENDUM

„Komsomolskaja Prawda“: Hinsichtlich der kurdischen Frage. Ich war in Kamyschli. Ich weiß, dass sie die Föderation als ideale Staatsform wünschen. Ebenso wie in Russland, wo viele Nationalitäten in einer Föderation vereinigt sind. Warum kann Syrien keine Föderation werden? Niemand bei den syrischen Kurden sprach mir gegenüber von Separatismus oder einem unabhängigen Staat. Sie haben gesagt: „Wir wollen in Syrien sein, aber wir wollen die Autonomie.“ Sind Sie damit einverstanden? Sie sind gute Kämpfer gegen den Islamischen Staat.

Baschar-al-Assad: Lassen Sie uns die verschiedenen Aspekte dieser Frage klarstellen. Erstens können wir nicht nur mit jener Bevölkerungsgruppe der Kurden sprechen, all den Kurden vor Ort dort, so daß wir alle anderen dortigen Armenier, Tschetschenen, Türken, Araber nicht beachten würden. Die Mehrheit der Kurden bittet nicht um die Autonomie. Nur ein Teil von ihnen.

„Komsomolskaja Prawda“: Ich meine nicht die Kurden, die in Damaskus leben…

Baschar-al-Assad: Ja, auch ich meine diejenigen, die im Norden leben. Nur ein Teil von ihnen redet von Autonomie. Und dann, wenn wir über den Föderalismus oder jegliches System reden, muß dies Teil der Verfassung sein. Die Verfassung bringt den Willen des syrischen Volkes zum Ausdruck. Deshalb, wenn sie ein besonderes politisches System in Syrien brauchen, dann müssen sie die Syrer davon überzeugen. Sie können es nicht nur mit mir absprechen…

„Komsomolskaja Prawda“: Meinen Sie, daß dafür ein Referendum nötig ist?

Baschar-al-Assad: Das politische System Syriens gehört mir nicht. Es ist eine allgemeine Volksabstimmung nötig, die „ja“ oder „nein“ sagen wird. Zweitens beachten jene Menschen, die vom kurdischen Föderalismus reden, nicht die Tatsache, daß die Araber im Norden die Bevölkerungsmehrheit bilden. Wie können wir überhaupt in diesem Fall über den kurdischen Föderalismus im Norden des Landes reden?

„Komsomolskaja Prawda“: Aber haben Sie Kontakte mit den Kurden?

Baschar-al-Assad: Ja, wir machen Geschäfte mit ihnen, wir verhandeln.

Komsomolskaja Prawda“: Verhandeln Sie mit ihnen?

Baschar-al-Assad: Natürlich. Stets. Und wir unterstützten sie beim Krieg gegen den Islamischen Staat. Wir schickten ihnen Ausrüstung, und Ihre Armee kennt diese Details.

„Komsomolskaja Prawda“: Offen gestanden, als ich durch Ihr Land reiste, sah ich keinerlei unbewaffnete Opposition. Ich meine, mit wem können Sie sprechen? Haben Sie echte Partner in den Verhandlungen? Oder ist dies eine „mission impossible“?

Baschar-al-Assad: Das ist eine sehr wichtige Frage. Aber wir sollen den Begriff „Opposition“ definieren. Jetzt verwendet die ganze Welt den Begriff „Opposition“. So nennt man die Menschen, die bewaffnet sind und andere Menschen töten. Können Sie sie Opposition nennen? Das ist ein politischer und kein militärischer Begriff.

„Komsomolskaja Prawda“: Ja, das ist das Problem. Alle haben Waffen. Mit wem ist zu sprechen?

Baschar-al-Assad: Genau. Wenn Sie von politischer Opposition reden wollen, haben wir sie natürlich. Im Land gibt es verschiedene politische Bewegungen und Strömungen, bedeutende politische Persönlichkeiten.

„Komsomolskaja Prawda“: Nennen Sie ihre Namen.

Baschar-al-Assad: Wir haben politische Parteien. Viele neue Persönlichkeiten sind aufgetaucht. Auch wenn sie vor und während der Krise nicht im Parlament saßen, sind dies viele. Es gibt eine ganze Liste dieser Menschen. Viele von ihnen positionieren sich als Opposition.

Die Frage ist nicht die, mit irgend jemand zu verhandeln, sondern jene, wer realen Einfluss hat und die Situation ändern kann. Angenommen, wir sammeln alles an Oppositionen, die patriotische wie auch die nicht patriotische, in Syrien und ausserhalb von Syriens Grenzen, und wir würden mit ihnen alles Mögliche vereinbaren. Und sie sagen konkret: Das ist eine ausgezeichnete Zukunft für Syrien. Die Frage besteht doch darin: Wer von ihnen wird die Handlungen der Terroristen in unserem Territorium beeinflussen?

Wir wissen, dass die Mehrheit dieser Terroristen Organisationen angehörn, die mit der Al-Qaeda, dem Islamischen Staat, An-Nusra, Achrar al-Scham verbunden sind. Die nicht politisch sind. Sie interessiert keine andere Ideologie außer ihre wahhabitische Ideologie.

Was bedeutet, dass jegliche Verhandlungen mit der politischen Opposition die Situation nicht ändern werden. Das ist der Kern des Problems. Und deshalb haben Sie die richtige Frage gestellt: Mit wem von ihnen kann ich was tun?

„Komsomolskaja Prawda“: Ja, mit wem?

Baschar-al-Assad: Als Regierung haben wir unsere eigenen Wege, um die Lage zu beeinflussen. Wir kämpfen gegen die Terroristen. Und lässt sich dies mit dieser Opposition machen? Ist dies die Frage? Ich habe darauf doch keine Antwort. Diese Oppositionellen müssen selbst sagen, was sie wie machen können.

WAHRHEITEN SIND FÜR DEN WESTEN UNNÖTIG

„Komsomolskaja Prawda“: Alle westlichen Medien schöpfen ihre Informationen über die Situation in Syrien aus einer seltsamen Organisation namens „Syrisches Beobachtungsstelle für Menschenrechte“. Aber ich habe erfahren, dass diese Organisation aus einem einzigen Mensch besteht.

Baschar-al-Assad: Ja, ein einzelner Mensch, der in London lebt.

„Komsomolskaja Prawda“: Das kann ich nicht begreifen. Für mich war es ein Schock, warum die westlichen Massenmedien so etwas als Informationsquelle verwenden können.

Baschar-al-Assad: Ja, weil der Westen das so will! Der Westen muß keine wirklichen Tatsachen zeigen. Diese Westler brauchen nur jemand, der parat steht, um ihre Position zu beflügeln. Bei der Mehrheit der Menschen im Westen ist die Hirnwäsche hinsichtlich Syrien, der Ukraine und Russland völlig abgeschlossen. Diesen Westlern ist die Beeinflussung der öffentlichen Meinung gelungen. Die Hirnwäsche ist ein Instrument von ihnen. Nicht das einzige. Sie haben etliche solche Werkzeuge wie die scheinbar „Weißen Helme“.

„Komsomolskaja Prawda“: Wer ist das denn?

Baschar-al-Assad: Faktisch sind das Menschen, die mit An-Nusra und und unter Kontrolle von An-Nusra vor Ort im Gebiet zusammenarbeiten. Wie sonst können sie in dieser Zone arbeiten, wenn sie nicht von An-Nusra kontrolliert dies tun würden? Konkret ist wichtig, daß viele ihrer Mitgliedern den Tod syrischer Soldaten direkt über ihren Körper gebeugt bejubelten. Es gibt Video- und Fotobelege für diese Barbarei.

„Komsomolskaja Prawda“: Meinen Sie, daß Amerika die syrische Armee zerbombt hat?

Baschar-al-Assad: Nein, dies ereignete sich an verschiedenen Stellen in Aleppo. In Aleppo liefen die Gefechte, und dort wurden vor den Leichen der syrischen Soldaten die „Weißen Helme“ zusammen mit An-Nusra fotografiert. Was der Versuch ist, das Image von An-Nusra mit einem neuen Label „Weiße Helme“ zu ändern. Dass angeblich sie die guten Menschen wären, die bereit wären, ihr Leben zu opfern, um anderen Menschen und den Kindern zu helfen. Und dieses emotionale Bild „unschuldiger Opfer“ soll die öffentliche Meinung im Westen beeinflussen.

„Komsomolskaja Prawda“: Und niemand weiß, woher diese Fotos sind?

Baschar-al-Assad: Nein, sie prüfen nichts. Es ist bedeutungslos für sie. Im Internet kann man es finden. Aber man kann nicht die Authentizität bestätigen. Man sieht hin. Man läßt sich beeindrucken, weil das Bild Syrien immer schwarz-weiß malt. Die guten Menschen gegen die böse Armee oder den bösen Baschar-al-Assad. Das ist das einzige Bild, welches der Westen für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung will. Um jeglichen Druck auf uns zu rechtfertigen. Angeblich unterstützen sie das gute syrische Volk gegen seine böse Regierung. Ihnen ist diese Propaganda bekannt.

DER ISLAMISCHE STAAT IST BEREITS 2006 IN ERSCHEINUNG GETRETEN

„Komsomolskaja Prawda“: Was bringt Ihnen die Befreiung Aleppo vom strategischen Standpunkt aus?

Baschar-al-Assad: Aus verschiedenen Gründen nennen wir Aleppo den Zwilling von Damaskus. Aleppo ist die zweitgrößte Stadt Syriens. Damaskus ist die politische Hauptstadt. Und Aleppo ist die wirtschaftliche Hauptstadt.

„Komsomolskaja Prawda“: Dort blieb keine Industrie mehr übrig. Ich war dort. Alles ist zerstört worden.

Baschar-al-Assad: Stimmt. Fast alle Betriebe in Aleppo sind ausgefallen. Sie wurden geplündert und in die Türkei verbracht.

„Komsomolskaja Prawda“: Aber wenn Sie nach Aleppo zurückkehren, was ändert sich an diesem Krieg dadurch?

Baschar-al-Assad: Erstens ist dies ein politischer Sieg auf strategischer und nationaler Ebene. Aus militärstrategischer Sicht können wir An-Nusra nicht isolieren. Aber Aleppo wird das Sprungbrett zur Bewegung in Richtung weiterer Städte und ihrer Befreiung von den Terroristen sein. Darin liegt die Bedeutung von Aleppo.

„Komsomolskaja Prawda“: Was ist der nächste Schritt? Wie können Sie die Verbindungswege zwischen der Türkei und Idlib zertrennen? Denn dort sprudelt die Hauptquelle für die Versorgung Ihrer Gegner mit Geld, Waffen und Kämpfern.

Baschar-al-Assad: Das ist unmöglich, weil sich Idlib genau an der türkischen Grenze befindet. Deshalb darf man Idlib nicht aufteilen, sondern man muss dort säubern. Wir müssen die Säuberung dieser Region fortsetzen und die Terroristen in die Türkei schicken, damit sie dorthin zurückkehren, wo sie hergekommen sind. Oder sie beseitigen. Wir haben keine andere Wahl. Und Aleppo wird das Sprungbrett, um diese Bewegung einzuleiten.

„Komsomolskaja Prawda“: Wieviele Söldner überquerten die syrische Grenze in den letzten 5 Jahren?

Baschar-al-Assad: Niemand kann sie zählen, weil es keine vollständige Kontrolle über der Grenze gibt. Sie überqueren sie ständig. Aber es gibt eine Schätzung, die eine deutsche Einrichtung ermittelt und veröffentlicht hat. Dort ist von mehreren Hunderttausenden die Rede.

„Komsomolskaja Prawda“: Hunderttausende?

Baschar-al-Assad: „Ja. Über 300.000 Söldner. Aber ich kenne die wirkliche Zahl nicht …

„Komsomolskaja Prawda“: Mehr als 300.000 Söldner?!

Baschar-al-Assad: Ich weiß nicht, ob die Zahlen genau sind. Aber selbst wenn es über 100.000 Söldner sind, dann ist dies eine ganze Armee. Und aus diesem Grund werden sie weiter beseitigt. Aber je mehr getötet werden, um so mehr kommen aus dem Ausland hier an. Die Rede ist hier von Hunderttausenden aus den verschiedenen Regionen der Welt. Dies ist konkret die Realität. Es gibt Hunderttausende Terroristen weltweit mit identischer wahhabitischer Ideologie. Das ist keine Übertreibung.

„Komsomolskaja Prawda“: Ich traf mich mit Vertretern der Opposition 2012 in Istanbul, welche behaupteten, dass für sie die Menschenrechte nötig sind. Das waren normale sekuläre Männer ohne Bärte, und sie tranken Bier im Ramadan. Binnen wenigen Jahren wurden sie zu Radikalen… Also wer sind die Anführer des Islamischen Staats?! Das sind Obristen oder Majore der ehemaligen Armee Saddam Husseins. Sie waren doch auch säkularisierte Männer. Wie haben sie sich in eine Armee voller Fanatiker verwandelt?

Baschar-al-Assad: Dies ereignete sich teilweise schon während der Okkupation des Iraks 2003. Als sich die US-Amerikaner des Iraks, einschließlich der Gefängnisse dort, vollständig bemächtigt hatten. Sowohl der Anführer des Islamischen Staats als auch seine Clique saßen im Gefängnis. Der Islamische Staat wurde im Irak unter US-amerikanischer Aufsicht erschaffen.

„Komsomolskaja Prawda“: Kann es sein, daß dies nicht der Islamische Staat, sondern in jener Zeit Al-Qaeda war?

Baschar-al-Assad: Ja, aber sie führten schon die Bezeichnung „Islamischer Staat des Iraks“.

„Komsomolskaja Prawda“: Schon 2006? Gab es den Islamischen Staat bereits 2006?

Baschar-al-Assad: Natürlich. Vor dem Abzug der Amerikaner gab es ihn bereits. Weshalb die US-Amerikaner direkt oder indirekt eine Rolle bei der Bildung des Islamischen Staats spielten. Als die Terroristen nach Syrien kamen, – wenn wir vom Anfang des Problems sprechen -, da benannte niemand An-Nusra und den Islamischen Staat. Sie wurden einfach die „Freie Syrische Armee“ genannt, – angeblich eine weltliche Kraft, die gegen die Regierung und gegen die Armee kämpfte. Aber in der Realität, wenn wir im Internet nachschauen, sehen wir schon damals die Enthauptung von Menschen in den allerersten Wochen. Was bedeutet, daß dies von Anfang an eine radikale Bewegung war. Aber sie haben sie eine freie Armee genannt.

Und als sie anfing zu wachsen und unmöglich wurde, die Verbrechen der Enthauptungen zu verbergen, war der Westen gezwungen, die Existenz von An-Nusra anzuerkennen. Aber in Wirklichkeit ist dies konkret die Freie Syrische Armee. Und es ist konkret der Islamische Staat. Sie haben dieselben Wurzeln und bewegen sich aus der einen Zone in die andere Zone aus verschiedenen Gründen. Der Hauptgrund ist die Ideologie, ein weiterer Grund ist die Angst. Bewegen sie sich nicht, können sie liquidiert werden. Der dritte Grund ist das Geld. Zum Beispiel zahlte der Islamische Staat vor zwei Jahren die höchsten Gehälter. Weshalb sich viele aus der Freien Syrischen Armee und An-Nusra wegen des Geldes dem Islamischen Staat anschlossen. Folglich gibt es viele Faktoren, aber wesentlich…

„Komsomolskaja Prawda“: … ist der Fanatismus?

Baschar-al-Assad: der Extremismus ist ein vereinigendes Bindeglied dieser Organisationen mit verschiedenen Bezeichnungen.

„Komsomolskaja Prawda“: Darf eine persönliche Frage gestellt werden? In 2013, als Ihr Leben in großer Gefahr war, als Amerika vor der Entscheidung stand, Syrien zu bombardieren, warum haben Sie die Familie nicht an einen sicheren Ort geschickt?

Baschar-al-Assad: Wie kann ich die Syrer davon überzeugen, im eigenen Land zu bleiben, wenn ich meine Familie bitte, das Land zu verlassen? Das ist unmöglich. Ich sollte der erste Patriot im Land sein. Als Präsident muß man der erste Patriot sein – man selbst, die eigene Familie, die eigene Regierung und das eigene Umfeld. Sie können nicht die Menschen davon überzeugen, dass Sie dieses Land verteidigen, wenn Sie seiner Armee nicht vertrauen, Ihre Familie zu schützen.

„Komsomolskaja Prawda“: Ich verstehe, ich verstehe …

Baschar-al-Assad: Deshalb lief dies natürlich so. Ich habe noch nicht einmal an so etwas gedacht.

„Komsomolskaja Prawda“: Vielen Dank für das Interview.

Baschar-al-Assad: Vielen Dank, daß Sie nach Syrien gekommen sind.

Englische Version: Text und Video (Über Link zur Originalquelle)

Daria Aslamowa: Ich war erstaunt, dass ich gebeten wurde, in meinem schönsten Kleid mit Absatzschuhen zum Interview mit Baschar-al-Assad zu kommen!

Video: Die Sonderkorrespondentin der „Komsomolskaja Prawda“ berichtet von dem, was neben dem offiziellen Text im Detail verblieb.

sarrussia

Quelle: http://www.kp.ru/daily/26594/3609876/

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