Artikel
Augenzeugenberichte, Expertenmeinung, Kommunisten, Politische Gespräche, Stalin

Die Verlogenheit des A. I. Solschenizyn – Wofür er den „Archipel GULAG“ schrieb WIE ALEXANDER SOLSCHENIZYN MICHAIL GORBATSCHOW BEI DESSEN „KUNSTWERK“ HALF, DIE UDSSR ZU BESEITIGEN

Die Verlogenheit des A. I. Solschenizyn – Wofür er den „Archipel GULAG“ schrieb

WIE ALEXANDER SOLSCHENIZYN MICHAIL GORBATSCHOW BEI DESSEN „KUNSTWERK“ HALF, DIE UDSSR ZU BESEITIGEN

von Anton Blagin, Murmansk
übersetzt von MATUTINSGROUP

Screenshot_348

kalmius.info.ru, 01. August 2015.-   

V.K. Diamant: Jetzt verstehe ich endlich, warum Solschenizyn so viel und so unverschämt gelogen hat:

Der „Archipel Gulag“ wurde von ihm nicht geschrieben, um die Wahrheit über das Leben der Häftlinge in den Lagern zu erzählen, sondern um den Lesern eine Abneigung gegen die Sowjetunion einzuflößen. Solschenizyn verdiente sich ehrlich seine 30 Silberlinge für seine Lügen, durch welche die Russen die Vergangenheit zu hassen begannen und mit ihren eigenen Händen 1991 das Land kaputtmachten. Eine Nation ohne eine Vergangenheit ist ein Abfall auf ihrem Land. Die Umschreibung der Geschichte ist eine Methode, den Kalten Krieg gegen Russland zu führen.

Die Geschichte darüber, wie die ehemaligen Häftlinge von Kolyma über den „Archipel GULAG“ A.I.Solschenizyns diskutierten

Dies ereignete sich 1978 oder 1979 im Sanatorium mit den Schlammkurenbädern unter dem Namen „Aufgetaut“, gelegen ca. 150 km von Magadan entfernt. Ich bin dort aus dem Tschukotskijer Wald-Städtchen Pewek angekommen, wo auch ich ab 1960 mit den Patientinnen arbeitete, wir uns kennenlernten und zum Zeitvertreib in der Kantine trafen, wo für jeden der Platz am Tisch reserviert war. Vier Tage vor dem Ende meiner Kur erschien „neu“ an unserem Tisch Michail Romanow. Er begann diese Diskussion.

Goldmine Kolyma

Goldmine Kolyma

Aber zuerst mal kurz über seine Teilnehmer an der Diskussion:

Semjon Nikiforowitsch war der Älteste, bei aller Glorifizierung ist sein Name in der Erinnerung nicht erhalten geblieben. Er war der „Oktober-Alte“ (geboren 1917), deshalb schon in Rente. Aber er arbeitete noch weiter als Nachtschicht-Schlosser in einer großen Autofirma. Nach Kolyma wurde er 1939 gebracht und 1948 freigelassen.

Ihm folgte vom Alter her Iwan Nasarow, geboren 1922, 1947 nach Kolyma gebracht, 1954 freigelassen. Er arbeitete als „Einrichter des Sägegatters“.

Der Dritte war Mischa Romanow, mir gleichaltrig vom Jahrgang 1927, 1948 nach Kolyma gebracht,1956 freigelassen. Er arbeitete als Raupenschlepperfahrer im Strassenbau.

Der Viertälteste war ich, der freiwillig in jene Region geriet, nach einer Anwerbung. Da ich 20 Jahre lang mit den ehemaligen Gefangenen zusammen gewohnt habe, haben sie mich als einen vollberechtigten Teilnehmer der Diskussionsrunde respektiert.

Wer für was verurteilt worden war, das weiss ich nicht. Darüber zu reden war nicht üblich.

Aber es war sichtbar, dass alle drei keine chronischen Straftäter waren und nicht zu den Rückfälligen gehörten. Nach der Lagerhierarchie waren sie die „Männer“. Jeder von ihnen würde eines Tages freigelassen werden und sich in Kolyma freiwillig einleben können.

Keiner von ihnen hatte eine Hochschulbildung. Aber sie waren leidenschaftliche Leser, vor allem Romanow. Er hielt stets eine Zeitschrift oder ein Buch die ganze Zeit in den Händen.

Generell waren dies ganz gewöhnliche sowjetische Bürger. Selbst die Lagerbegriffe und -ausdrücke wendeten sie fast gar nicht an.

Kurz vor meiner Abreise erzählte mir in der Mittagspause Romanow das Folgende: „Ich bin gerade erst vom Urlaub in Moskau von den Verwandten zurück. Mein Neffe Nikita, Student des Pädagogischen Institutes, gestattete mir, die illegale Ausgabe des Buches von Solschenizyn „Archipel GULAG“ zu lesen. Ich habe das gelesen, dann das Buch zurückgegeben und Nikita gesagt, dass da viele erfundene Geschichten und Lügen drinstehen.

Nikita hat nachgedacht und später gefragt, ob ich einverstanden sein würde, dieses Buch mit ehemaligen Gefangenen zu besprechen. Und zwar mit solchen Gefangenen, die sich zur selben Zeit wie Solschenizyn im Lager befunden hatten.

„Warum?“, fragte ich ihn. Nikita antwortete, dass in seinem Umfeld wegen dieses Buches Streitereien losgegangen sind, die beinahe in Schlägerei münden. Und wenn er den Genossen das Urteil von Menschen mit eigener Erfahrung davon präsentiert, dann hilft dies ihnen, zu einer einvernehmlichen Meinung zu gelangen.

Das Buch war von einem Ausländer, weshalb Nikita alles in ein Heft schrieb, was ich darüber geäussert hatte. Romanow zeigte ich dieses Heft hier vor und fragte an, ob seine alten Bekannten einverstanden sind, der Bitte meines Lieblingsneffen zu nachzukommen. Alle waren einverstanden.

DIE OPFER DES LAGERS

Nach dem Abendessen haben wir uns bei Romanow versammelt.

„Ich werde beginnen mit zwei Ereignissen“, so sagte Romanow. „die die Journalisten ‚brennende Tatsachen‘ nennen. Obwohl richtiger wäre, das erste Ereignis eine eiskalte Tatsache zu nennen.

Hier sind diese Ereignisse: „Sie besagen, dass ‚im Dezember 1928 auf dem Roten Hügel (in Karelien) die ihre auferlegte Arbeitsnorm nicht geleistet habenden Häftlinge zur Strafe im Wald übernachten mussten, wobei 150 Menschen zu Tode erfroren. Dies ist das übliche Empfangsverfahren, und zwar ohne jeden Zweifel.‘ Es ist schwieriger. Noch unglaublicher ist eine andere Geschichte, dass man ‚auf dem Kem-Uchtinski Trakt unweit des Fleckens Kut im Februar 1929 eine Kompanie Häftlinge aus ca. 100 Menschen wegen der Nichterfüllung der Arbeitsnorm in ein Feuer getrieben hat, wo sie verbrannt sind‘. [1]“

Kaum verstummte Romanow, rief Semjon Nikiforowitsch aus: „Unerhört!. Gibt’s nicht! Pure absichtliche Lügereien!“, und er schaute Nasarow fragend an.

Jener nickte: „Ja! Lagerfolklore pur.“

Und alle verstummten … schauten auf Romanow, welcher sagte: „Seid Ihr Kerle alle dieser Meinung?“

Und Semjon Nikoforowitsch meinte, dass plötzlich irgend so ein Trottel, der nichts vom Lagerleben weiss, fragen wird, warum es solche Lügen gibt. Denn konnte es so etwas in den Lagern von Solowjezk wirklich nicht gegeben haben? Was würden sie ihm antworten?“

Lager Solowjezk

Semjon Nikoforowitsch überlegte etwas und meinte dann: „Es geht überhaupt nicht darum, ob es sich hier um das Lager Solowjezk oder das Lager Kolyna handelt. Sondern darum dass sich vor dem Feuer nicht nur die wilden Tiere, sondern auch die Menschen fürchten. Wieviele Fälle hat es gegeben, wo beim Brand die Menschen aus den oberen Stockwerken eines Hauses heraussprangen und sich zu Tode stürzten, nur um nicht lebendig zu verbrennen.

Und hier soll ich zu glauben haben, dass ein paar lausige Aufseher es schafften, 100 Gefangene in ein Feuer zu treiben?! Wo doch zumeist jeder Gefangene eine Erschiessung dem Springen ins Feuer vorziehen würde. Was kann ich dazu sagen? Wenn die Gefangenenaufseher mit ihren 5-Schuß-Revolvern, denn über automatische Schnellfeuerwaffen verfügten sie nicht, sich mit den Gefangenen auf ein Spiel der Sprünge ins Feuer eingelassen hätten, dann wären sie doch selbst im Feuer gelandet. Kurz gesagt ist diese ‚brennende Tatsache‘ eine dumme Erfindung von Solschenizyn.

Jetzt über die ‚eiskalte Tatsache‘. Es ist hier unverständlich, was es bedeutet, ’sie haben sie im Wald zurückgelassen‘. Was lief da ab?

Sind die Aufseher in die Kaserne weggegangen, um zu übernachten? Dann wäre dies der fromme Wunsch der Gefangenen gewesen! Vor allem die Schwerverbrecher hätten sich sofort in der nächsten Ortschaft befunden. Aber so fingen sie an ‚zu erfrieren‘, dass den Bewohnern der Ortschaft der Himmel mit einem Spiel erschien.

Also, sofern die Gefangenenaufseher die Gefangenen verlassen hätten, hatten sie natürlich ein Feuer für das eigene Aufwärmen … Aber hier wird so ein ‚Kino‘ veranstaltet. Im Wald brennen einige Feuer mit einem großen Kreis um sich herum. in jedem Kreis befinden sich 150 gesunde Männer mit Äxten und Sägen in den Händen, die ruhig und schweigend erfrieren. Zu Tode erfrieren! …

Mischa! Eine Fangfrage: Wie lange kann ein solches ‚Kino‘ dauern?“

„Klar“, sagte Romanow. „An so ein ‚Kino‘ kann nur ein Bücherwurm glauben, der niemals weder einen Gefangenen-Waldarbeiter noch einen gewöhnlichen Wald gesehen hat. Wir stimmen überein, dass beide ‚brennenden Tatsachen‘ Bullshit sind.“

Alle nickten mit ihren Köpfen, dass sie einverstanden sind.

Nasarow sagte: „Ich würde die Ehrlichkeit von Solschenizyn in Frage stellen. Obwohl er ein ehemaliger Gefangener war, kann er nicht verstehen, dass das Wesen dieser Lügenmärchen mit dem Leben des Gulags nichts zu tun haben. Bei zehn Jahren Erfahrung mit dem Lagerleben weiss er sicherlich, dass Selbstmord im Lager nicht gefördert wurde. Sondern eine Todesstrafe wurde an anderen Orten vollstreckt.

Natürlich weiss er, dass ein Lager für niemand ein Platz war, in dem die Häftlinge „sich die Zeit vertreiben“, sondern ein Lager ist ein Wirtschaftsbetrieb mit einem Arbeitsplan. Folglich ist da jeder Mensch in einer Einrichtung, wo die Häftlinge Arbeiter und Vorarbeiter bis hin zu Produktionsleitern sind. Und gäbe es dort so einen ‚Verbrennungsplan‘, könnte die Lagerleitung manchmal den Arbeitstag für die Häftlinge verlängern. Eine Übertretung des Gulags in dieser Weise geschah oft. Aber die Arbeiter der eingesetzten Arbeitsbrigaden zu vernichten, wäre eine schmutzige Tat, für die der Lagerleiter schwer bestraft werden würde. Und zwar bis hin zur Exekution!

Denn in der Stalin-Zeit wurde Disziplin nicht nur von den normalen Bürgern verlangt, sondern von den Vorgesetzten noch weitaus strenger eingefordert. Und wenn angesichts eines Wissens von all dem Solschenizyn diese Lügenmärchen in sein Buch steckt, dann wird klar, dass dieses Buch nicht geschrieben worden ist, um die Wahrheit über das Leben im Gulag zu erzählen. Aber ich verstehe immer noch nicht, wofür das Buch geschrieben wurde. Lasst uns daher fortfahren!“

Lager Petscherlog

Lager Petscherlog

„Machen wir also weiter“, sagte Romanow. „Hier ist noch so eine Horrorstory. ‚Im Herbst 1941 hatte Petscherlog (Eisenbahn-Baustrecke) statistisch 50.000 Häftlinge, im anschliessenden Frühling waren es noch 10.000 Häftlinge. Kein Transport ging irgendwohin.‘ Wo sind die 40.000 Menschen geblieben? [2]. Das ist so ein furchtbares Rätsel“, endete Romanow.

Alle dachten nach … „Ich werde den Witz nicht verstehen“, brach Semjon Nikiforowitsch das Schweigen. „Warum soll der Leser über das Rätsel für sich selbst nachdenken? Ich hätte selbst erzählt, was sich dort abspielte …“

Und fragend schaute er Romanow an.  „Hier ist scheinbar ein literarischer Mechanismus vorhanden, bei dem sich die Leser sagen sollen: die Sache ist so einfach, dass ein beliebiger Trottel selbst herausfinden wird, wozu was geschah. Von da aus sozusagen kommentieren … .“

„Stop! Es ist angekommen“, rief Semjon Nikiforowitsch aus. „Hier ‚diese feine Andeutung auf die dicken Umstände‘. Also, diesmal das Lager des Eisenbahnbaus. Somit wurden 40.000 Gefangene beim Bahnstreckenbau in einem Winter ruiniert. D.h. die Leichen von 40.000 Gefangenen ruhen unter den Schwellen der gebauten Bahnstrecke. Dies sollte es sein, denke ich mir. Und daran soll man glauben?“

„Das denke ich auch“, meinte Roman.

„Na grossartig! Das macht wieviele Fälle pro Tag? 40.000 binnen 6-7 Monaten bedeutet über 6000 Todesfälle pro Monat, was über 200 Tote am Tag bzw. zwei Arbeitsbrigaden Verlust durch Tod pro Tag bedeutet …

Ach ja, Alexander Isaac! Ach ja, du Hurensohn! Das ist ein Hitler … arrrgh … er übertrifft ja selbst Goebbels im Lügen.

Erinnern wir uns? Goebbels 1943 sagte der ganzen Welt, dass 1941 die Bolschewiken 10.000 polnische Gefangene erschossen, die sie damals selbst umgebracht hatten. Aber für die Nazis war alles klar. Im Versuch, ihre eigene Haut zu retten, versuchten sie es mit dem Herumlügen, die UdSSR mit ihren Verbündeten zu besudeln.

Und warum bemüht sich Solschenizyn um was? Mit 200 verheizten heiligen Seelen pro Tag, das ist ein Rekord!“

„Warte einen Moment!“, unterbrach in Romanow. „Die Rekorde kommen doch erst noch. Du sagst mir besser, warum Du das nicht glaubst. Wo ist Dein Beweis?“

„Na gut. Ich habe keinen direkten Beweis bei der Hand. Aber es gibt ernsthafte Überlegungen diesbezüglich. Und das heisst, dass die meisten Todesfälle in den Lagern von der Unterernährung herrührten. Aber das war nicht so viel!

Hier sprechen wir vom Winter 1941. Und ich bezeuge, dass im ersten Kriegswinter 1941 in den Lagern noch immer eine normale Verpflegung verabreicht worden ist. Das ist der erste Anhaltspunkt.

Workuta-Eisenbahnbau

Workuta-Eisenbahnbau

Zweitens, Petscherlog, das war der Bahnstreckenbau nach Workuta,- mehr als wir jemals zu bauen hatten. Im Krieg war das eine Aufgabe von vorrangiger Bedeutung. Folglich ergingen von den Behörden die Forderungen sehr streng an das Lager. In solchen Fällen versuchten die Behörden, für ihre Arbeiter Sonderrationen an Verpflegung zu beschaffen. Und dort muss das so gelaufen sein. Somit vom Verhungern beim Bau diesbezüglich zu sprechen, ist eine wissentliche Lüge.

Und als Letztes. Eine Sterberate von 200 Personen pro Tag lässt sich nicht geheimhalten. Und wenn nicht wir selbst, so hätte die Presse im Ausland darüber berichtet. Und in den Lagern sprach sich so etwas sehr schnell herum. Dies bezeuge ich ebenfalls. Aber ich habe nie etwas über eine hohe Sterberate in Petscherlog gehört. Und bei mir kam alles an.“

Romanow schaute Nasarow fragend an. „Offenbar kenne ich des Rätsels Lösung“, sagte er. Nach Kolyna bin ich in das Lager von Workuta geraten, wo ich mich 2 Jahre lang aufgehalten habe. Schau mal an, jetzt erinnere ich mich. Viele Ortsansässige erzählten, dass sie nach dem Bau der Bahnstrecke mit der Eisenbahn nach Workuta gekommen waren, während sie vorher in Petscherlog gewesen waren. Somit sind sie nirgend wohin verschollen. Das ist alles.“

„Das ist logisch“, meinte Romanow. „Der erste grosse Schub baute die Bahnstrecke. Dann setzte man die meisten Facharbeiter beim Erschliessen der Kohle- und Erzvorkommen und dem Bau von Bergwerken in Workuta ein. Denn ein Bergwerk ist nicht nur das Graben eines Lochs in den Boden. Und an der Oberfläche ist vieles notwendig, um in den Boden vordringen zu können. Und das wurde ein Kohleförderungsgebiet.

Oh, wie nötig hatten wir das damals! Denn dann war Hitler im Donbass! Generell hat hier Solschenizyn chemisch von den Zahlen her eine Horrorstory geschaffen. Aber gut, wir machen mal weiter.“

DIE OPFER DER STÄDTE

„Noch ein Zahlenrätsel. Es wird angenommen, dass ein Viertel Leningrads 1934/35 gebaut wurde. Diese Einschätzung kann widerlegen, wer die genauen Zahlen besitzt und sie herausgeben wird.“ (3) Sie haben das Wort, Semjon Nikoforowitsch.“

„Gut, da geht es um diejenigen, die wegen der ‚Kirow-Sache‘ festgenommen wurden. Das waren wirklich viel mehr, als am Tod von Kirow schuld sein konnten.

Schlauerweise begann man, die Trotzkisten zu verhaften. Aber von einem Viertel Leningrads auszugehen, ist eine dreiste Übertreibung.

Aber genauer wird darüber unser Freund zu erzählen versuchen,- ein Petersburger Proletarier sozusagen (wie Semjon Nikoforowitsch mich manchmal scherzhafterweise nennt). Du warst seinerzeit dort.“

Ich musste also zu mir selbst sprechen:

„Damals war ich 7 Jahre alt und erinnere mich nur an die traurigen Fanfaren. Auf der einen Seite konnte ich die Pfeiftöne der Fabrik ‚Bolschewik‘ sowie das Gehupe der Dampflokomotiven am Güterbahnhof hören. Streng genommen kann ich weder eine Zeuge noch eine Zeugin gewesen sein. Aber ich denke auch, dass Solschenizyn die Zahl an inhaftierten Menschen maßlos übertreibt. Nur ist hier die Übertreibung nicht wissenschaftlich, sondern ideologisch.

Was Solschenizyn hier im Dunkeln belässt, kann von der Tatsache aus betrachtet werden, dass erforderlich wird, die genaue Zahl zu ergründen (dies im Wissen, dass der Leser sie von nirgendwo wird bekommen können), dann aber eine Bruchrechnungszahl von einem Viertel selbst anzugeben.

Lasst mich da Klartext reden! Lasst uns sehen, was das heisst, ‚ein Viertel Leningrads‘ festzunehmen!

Damals lebten in der Stadt ca. 2 Millionen Menschen. Ein Viertel von ihnen sind 500.000! Dies ist nach meiner Meinung eine so absurd hohe Zahl und nichts weiter, dass kein Gegenbeweis mehr erforderlich ist.“

„Doch, ist erforderlich“, sagt Romanow selbstbewusst. „Wir gehen da immerhin mit einem Nobelpreisträger um.

„Nun“, so sage ich. „Sie wissen sehr gut, dass die Mehrzahl der Gefangenen Männer gewesen sind. Und die Männer machen immer ca. die Hälfte der Bevölkerung aus. Somit war damals der männliche Bevölkerungsanteil in Leningrad ca. 1 Million Personen.

Aber nicht alle Männer können inhaftiert werden. Denn es gibt da die Kinder, die Behinderten, die Alten. Und wenn ich sage, dass es 250.000 gewesen sind, dann gebe ich Solschenizyn einen grossen Vorsprung.

Für ihn waren es natürlich mehr. Aber so sei es. Es bleiben 750.000 Männer im arbeitsfähigen Alter übrig, von denen Solschenizyn 500.000 abzieht. Was für die Stadt bedeutet, dass überall dort, wo zu jener Zeit zumeist Männer und Frauen arbeiteten, Hausfrauen waren.

Wie kann ein Betrieb weiter wirtschaften, wenn er von 3 Arbeitern jeweils zwei verliert? Tja, da würde doch wohl die ganze Stadt zusammenbrechen. Aber dies ist dort nicht so gewesen.

Und weiter. Obwohl ich damals erst 7 Jahre alt war, kann ich absolut sicher bezeugen, dass weder mein Vater noch einer der Väter meiner Freunde und nächsten Bekannten verhaftet wurde. Und nach diesem von Solschenizyn da angebotenen Drehbuch wären in unserem Hinterhof eine Menge Männer zu verhaften gewesen. Doch gab es diese Massenverhaftung gar nicht. Das ist alles.“

„Ich denke, dass ich hier hinzufüge, dass die von Solschenizyn genannten Fälle von Massenverhaftungen ‚in den Gulag geflossen sind'“, sagte Romanow. „Und als mächtigsten Zustrom nennt er die Festnahme der Jahre 1937 und 1938. So. Wenn man bedenkt, dass in den Jahren 1934 und 1935 die Trotzkisten für nicht weniger als 10 Jahre inhaftiert wurden, wird klar, dass bis 1938 keiner von ihnen zurückgekehrt sein kann. Und für den ‚hohen Zustrom‘ aus Leningrad gab es einfach niemand zu nehmen …“

„Aber 1941“, unterbrach Nasarow. „für die Armee würde sich niemand von ihnen ermutigen lassen. Ich habe irgendwo gelesen, dass es da jedoch eine Leningrader Front von ca. 100.000 Kämpfern gab. Allein Milizkämpfer waren dies. Was generell klar ist. Mit der Inhaftierung von ‚einem Viertel Leningrads‘ übertraf Solschenizyn noch einmal Herrn Goebbels.“

Sie lachten.

„Ganz genau“, dröhnte Semjon Nikiforowitsch. „Seine Fans reden von den ‚Opfern der stalinistischen Unterdrückung‘ und lieben es dabei geradezu, über Millionen und nichts darunter zu sprechen.

Aus diesem Anlass erinnere ich mich an ein kürzliches Gespräch. Wir haben im Dorf einen Rentner. Er ist ein ortsansässiger Historiker. Ein interessierter Mensch. Sein Name ist Wassilij Iwanytsch. Und deshalb auch sein Spitzname „Tschapa“. Auch sein Familienname ist äusserst selten: Petrow.

Nach Kolyma kam er 3 Jahre vor mir. Nicht auf meine Weise, sondern durch den Komsomol. 1942 ging er freiwillig an die Front. Nach dem Krieg kehrte er zu seiner Familie zurück.

Sein ganzes Leben lang war er als Fahrer tätig. Er kam oft zu unserem Garagenbillard, denn er mochte das Spielen mit den Kugeln. Und einmal, als ich bei ihm war, kam ein junger Kraftfahrer zu ihm und fragte ihn: ‚Wassilij Iwanytsch, sagen Sie mir bitte ehrlich, hatten Sie Angst, hier zu leben, in der Zeit Stalins?‘ Wassilij Iwanytsch blickte überrascht auf und fragte zurück: ‚Was fürchten Sie sich, derzeit darüber zu reden?‘

‚Gut‘, meinte jener junge Kraftfahrer. ‚Ich habe selbst auf ‚Stimme Amerikas‘ gehört. Hier in jenen Jahren kamen etliche Millionen Gefangene um. Die meisten von ihnen wurden beim Bau der Autobahn nach Kolyma umgebracht …“

‚Klar‘, sagte Wassilij Iwanytsch. ‚Und jetzt hört aufmerksam zu. Um Millionen Menschen irgendwo umzubringen, ist es doch wohl zumindest erforderlich, dass es sie dort gibt. Also, zumindest eine kurze Zeit müssen sie dort sein, sonst kann dort niemand umgebracht werden. Stimmt’s? Oder nicht?‘

‚Logisch‘, sagte der Kraftfahrer.

‚Und jetzt kommt der Logiker, hört noch aufmerksamer zu‘, sagte Wassilij Iwanytsch, drehte sich zu mir um und meinte: ‚Semjon, wir wissen es, und unsere Logiker wissen es wahrscheinlich ganz genau, um es zu erraten, dass jetzt in Kolyma viel mehr Volk als zu den Stalinzeiten lebt. Aber wieviel mehr ist es? Und?‘

‚Ich denke, dass man das Dreifache oder vielleicht gar Vierfache annehmen kann‘, antwortete ich.

‚Ach so!‘, meinte Wassilij Iwanytsch und drehte sich zum Kraftfahrer herum. ‚Laut letzter statistischer Meldung, wie sie alle in der ‚Magadan Prawda‘ abgedruckt stehen, leben jetzt in Kolyma (zusammen mit Tschukotka) ca. eine halbe Million Menschen. Somit lebten zu Stalins Zeit dort maximal ca. 150.000 Menschen. Was sind dies für Nachrichten?‘

‚Na toll!‘, sagte der Kraftfahrer. ‚Ich hätte niemals gedacht, dass so ein solider Radiosender im Land so eine hanebüchene Lüge loslassen kann …‘

‚Gut, wisst Ihr‘, sagte Wassilij Iwanowitsch anleitend. ‚Auf Eurer Arbeitsstelle gibt es solche schrulligen Kauze, die aus Mücken Elefanten machen. Und dann mit Elfenbein zu handeln anfangen. Nichts drauf geben, einfach die Schlappohren mal runterklappen …'“

WAS UND WIEVIEL

„Eine gute Geschichte. Und am wichtigsten für diesen Ort“, sagte Romanow.

Und er fragte mich: „Du wolltest doch etwas über den vertrauten ‚Feind des Volkes‘ erzählen?“

„Ja, nicht von meinem Bekannten, sondern vom Vater eines meiner jüngeren Bekannten aus dem Sommer 1938. Er verbreitete antisowjetische Witze. Sie haben ihm 3 Jahre aufgebrummt. Aber er hat nur 2 abgesessen,- vorfristige Entlassung! Aber zusammen mit der Familie haben sie ihn dann 101 km weit weg verbannt, wahrscheinlich bis nach Tichwin.“

„Weißt Du genau, dass er für einen Witz die 3 Jahre Lagerhaft bekam?“, fragte Romanow. „Bei Solschenizyn stehen ansonsten ganz andere Informationen: für einen Witz gab es 10 und mehr Jahre Lagerhaft. Für ein Arbeitsversäumnis oder eine Verspätung auf der Arbeit gab es 5 bis 10 Jahre Lagerhaft. Für Kohl, geklaut auf einem entfernten Kolchosfeld, gab es 10 Jahre. Was sagst Du dazu?“

„Bei den Witzen waren es 3 Jahre, das weiss ich genau. Und bei den Strafen für die Verspätungen und die Arbeitsversäumnisse lügt Dein Nobelpreisträger wie ein grauschwarzer Wallach. Ich hatte nach diesem Strafrecht selbst zwei Vorstrafen, worüber es die entsprechenden Aufzeichnungen im Arbeitsbuch … gibt.

„Ach ja, der Proletarier! Аch ja, der Teufel!. Erwartete nichts!“, stichelte Semjon Nikiforowitsch.

„Also, gut gut!“ meinte Romanow. „Erlaube es diesem Menschen zu beichten. Man musste Geständnisse abgeben.“

„Der Krieg ging zu Ende. Das Leben war einfacher geworden. Und ich begann, für Alkoholgenuss zu zahlen, um zu feiern. Und mit all den Kerlen ringsum war es auch recht abenteuerlich zu trinken.

In der Regel gab es bei zwei Verspätungen auf der Arbeit von 25 bis 30 Minuten Zurechtweisungen. Aber ab einer halben Stunde erhielt ich die „3-15“. Dies bedeutete, dass mir 3 Monate lang 15% des Arbeitslohns abgezogen wurde.

Nur wirkte dies bei mir nicht, ich kam wieder zu spät. Jetzt bekam ich die „4-20“ verpasst. Nun, beim 3. Mal sollte mich eine Bestrafung von „6-25“ erwarten. Aber „dieser Kelch ging an mir vorbei“. Es versteht sich, dass die Arbeit eine heilige Sache ist. Natürlich erschien es mir dann, dass die Bestrafung zu streng ist, denn der Krieg war doch vorbei. Aber die Ältesten tröstete mich damit, dass sie mir sagten, dass die Kapitalisten noch strengere Disziplin und noch bittere Bestrafungen haben. Nämlich die Entlassung. Und dann steht unsereins in der Schlange vor dem Arbeitsamt. Und ein geeigneter Ort, um wieder eine Arbeit zu bekommen, ist nicht bekannt …

Aber Fälle, dass eine Person eine Gefängnisstrafe für Schulschwänzen erhielt, sind mir unbekannt. Ich habe gehört, dass für ‚unberechtigte Entnahme aus der Produktion‘ eineinhalb Jahr Gefängnis lauerten. Aber ich kenne keine solche Tatsache.

Jetzt zum ‚Feldklau‘. Ich habe gehört, dass beim ‚Diebstahl von Agrarerzeugnissen‘ von den Feldern die Haftzeit von der Menge der gestohlenen Agrarprodukte abhing. Aber dies bezieht sich auf Erntegut auf den noch nicht abgeernteten Feldern.

Auch ich ging wiederholt zum Sammeln von Überresten auf abgeerntete Kartoffelfelder. Und ich bin sicher, dass es Bullshit ist zu behaupten, dass  Menschen wegen Sammelns von Erntegut auf abgeernteten Kolchosfeldern verhaftet wurden. Und wenn einer von euch einen Mensch kennt, der für Klau von Kohl festgenommen wurde, dann lasst mal hören.“

„Ich kenne zwei derartige und ähnliche Fälle“, meinte Nasarow. „Sie ereigneten sich in Workuta 1947. Zwei 17-jährige Burschen haben jeder bis zu 3 Jahre Lagerhaftstrafe bekommen. Einer wurde mit 15 kg frischen Kartoffeln aufgegriffen, doch haben sie in den Wohnstätten dann noch weitere 90 kg Kartoffeln aufgedeckt. Beim zweiten Burschen ging es um 8 kg Kohl im Moment des Aufgreifens, und hinzu zeigten sich da noch 40 kg bei ihm zu Hause.

Sowohl jene als auch andere klauten natürlich auf nahegelegenen Feldern. Und solcher Diebstahl ist auch in Afrika ein Diebstahl.

Das Sammeln von Ernteresten von  entlegenen Feldern galt nirgends in der Welt als Diebstahl. Genau hier lügt Solschenizyn, um damit der Sowjetmacht … wieder einmal seine Fusstritte zu verpassen.“

„Oder vielleicht hatte er seinen Verstand andersrum“, meinte Semjon Nikiforowitsch. „So wie jene Journalisten, die erfahren, dass ein Hund einen Menschen gebissen hat, aber dann in der Reportage schreiben, wie der Mensch den Hund gebissen hat.“

VON BJELOMOR UND WEITEREM

„Was mich wundert“, sprach erneut Romanow an. „Wir wissen, dass in Kolyma die Gefangenen nur ein Mal im Jahr antransportiert wurden. Wir wissen, dass hier ‚9 Monate Winter und die übrigen Monate Sommer‘ herrscht.

Laut Solschenizyn sollten alle Lager vor Ort in jedem Kriegswinter ausgestorben sein. Und was haben wir in Wirklichkeit gesehen? Selbst wenn sie den Hund auf einen ehemaligen Häftling losgelassen hätten, den gesamte Krieg hindurch hat man sich hier in Kolyma durchgeschlagen. Semjon Nikiforowitsch, woher solche Lebensfähigkeit? Um Solschenizyn zu trotzen?“

„Stimmt nicht, das war nicht der Fall“, meinte stirnrunzelnd Semjon Nikoforowitsch Romanow. Dann schüttelte er den Kopf und sagte: „300.000 Tote in Bjelomor! Das ist eine hinterhältige Lüge, die sie nicht dementieren wollen …

Stimmt, ich war nicht dort, ich erhielt meine Strafe 1937 Aber auch dieser Lügner war nicht dort! Von wem hat er diese Unfassbarkeit von 300.000 Toten?

Ich hörte Wiederholungstätern zu, die in Bjelomor in Lagerhaft waren. So dass dies die Fälle waren, wo nichts hilft, weil sie immer wieder straffällig werden und immer wieder neu einsitzen. Und zu denen jede Regierung nur schlecht sein kann.

Also, über Bjelomor sagten sie alle, dass es dort ein Leben in kontinuierlichen Tagesabläufen gab! Die Sowjetmacht hat dort zum ersten Mal versucht, eine „Umeerziehung“, das heißt, die Rehabilitation von Straftätern durch eine besondere Belohnung für ihre ehrliche Arbeit zu erreichen. Dort wurden erstmals mehr und qualitativ hochwertigere Lebensmittel für die Übererfüllung der Produktionsnormzielvorgaben eingeführt. Und am wichtigsten sind für uns natürlich die Lohnansparungen, d.h. ein Tag guter Arbeit wird beim Lohn gezählt wie 2 oder sogar 3 Tagessätze.

Natürlich lernten die Wiederholungstäter dies sofort, wie sich ihr Interesse für ihre Entwicklung und auch noch mit einer vorzeitigen auszahlt. Von Hunger war überhaupt keine Rede.

Woran konnten die Menschen dort sterben? An Krankheiten? In dieses Lager wurden keine Kranken und Behinderten gebracht. Das sagt alles. Generell saugt sich da Solschenizyn seine 300.000 Toten aus dem Nichts. Alle Toten sind von ihm fingiert worden. Woanders kann das nicht herkommen, denn so einen Mist konnte ihm niemand erzählt haben. Das ist alles.“

Nasarow äusserte sich in der Diskussion: „Alle wissen, dass in Bjelomor auch einige Kommissionen aus Publizisten und Journalisten einige Zeit lang tätig gewesen waren, unter denen es auch Ausländer gab. Und niemand von ihnen hat über eine so hohe Sterblichkeit gestottert. Wie erklärt dies Solschenizyn?“

„Ganz einfach“, erwiderte Romanow. „Die Bolschewiki hatten sie entweder eingeschüchtert oder … gekauft.“

Aller haben laut losgelacht. Romanow hat mich fragend angeschaut. So dass ich zu erzählen begann:

„Kaum habe ich über die Sterblichkeit von 1 % pro Tag gehört, habe ich nachgedacht. Und wie war es damit bei der Blockade von Leningrad?

Dort zeigte sich: Erstens war die Sterblichkeit fünfmal weniger als 1 %.

Sehen wir mal hin. Nach verschiedenen Einschätzungen gab es während der Blockade dort 2,5 bis 2,8 Millionen Menschen. Und die Leningrader bekamen die tödlichsten Hungerrationen etwa 100 Tage lang, solches Zusammenfallen! Für diese Zeit müssten gemäß Solschenizyns Sterblichkeitsunterstellungen 1% aller Stadtbewohner pro Tag gestorben sein. Aber es ist bekannt, dass am Hunger zwischen 900 und 1000 Menschen in der Stadt gestorben sind.

In jenen mörderischen 100 Hunger-Tagen sind 450.000 bis 500.000 Menschen umgekommen. Teilen wir die Gesamtzahl der blockierten Leningrader durch die Zahl der Todesopfer in jenen 100 Tagen, bekommen wir die Zahl 5. D.h. in diese furchtbaren 100 Tage war die Sterblichkeit in Leningrad in 5 mal weniger als 1 % pro Tag.

Es ist zu fragen, woher er für die Lager in der Kriegszeit eine Sterblichkeit von 1 % pro Tag nehmen konnte, wenn (wie wir alle gut wissen) die Verpflegungsration in den Straflagern ca. 4 oder 5 mal höher war als jene Ration an Essbarem im blockierten Leningrad. Und bei all dem wurde die Strafration den Häftling nur kurzzeitig verabreicht. Denn die Arbeitsration für die Gefangenen im Krieg war nicht weniger als die Kantinenmahlzeiten für die freien Arbeiter. Und warum dies so war, ist klar. Während des Krieges herrschte im Land ein akuter Mangel an Arbeitskräften. Und die Gefangenen hungern zu lassen, wäre seitens der Behörden einfach dumm gewesen.“

Hier habe ich Romanow angeschaut, und er hat ergänzt: „Nun dies zu Deiner höhnischen Frage darüber, warum die Gefangenen in Kolyma überlebt haben.“

Semjon Nikiforowitsch stand auf, ging um den Tisch, schüttelte mir mit seinen beiden Händen meine Hand, himmelte mich scherzhaft an und sagte inbrünstig:

„Da bin ich Ihnen sehr dankbar, junger Mann!“ Anschliessend fügte er an alle hinzu. „Beenden wir diesen Wirrwarr. Auf geht’s ins Kino, dort fängt die nochmalige Vorführung der Filme über Stirlitz an.“

„Im Kino werden wir dazu kommen“, sagte Romanow und schaute auf die Uhr. „Ich will zum Schluss was von Ihnen zu den zwischen Solschenizyn und Schalamow bestehenden Meinungsunterschieden bezüglich der Lagerkrankenhäuser wissen, welche auch von diesem ‚Lagerschriftsteller‘ verursacht worden sind. Solschenizyn meint, dass die Lagersanitätsabteilung geschaffen wurde, um zur Vernichtung der Gefangenen beizutragen. Konkret tadelt er Schalamow dafür, dass dieser ‚die Legende über die wohltätige Sanitätsabteilung unterstützt …‘ [5] Sie haben das Wort bitte, Semjon Nikiforowitsch.“

Schalamow zog die Haftzeit hier durch. Ich selbst traf mich mit ihm nicht. Aber von vielen hörte ich, dass er im Unterschied zu Solschenizyn auch die Karre schieben müsste. Also ist er auch beim Karreschieben einige Tage für einige Zeit in der Sanitätsabteilung gewesen, was wirklich zu seinem Wohl war.

Da kann man sogar noch sagen, dass er Glück hatte, in die Ausbildung bei den Feldschern zu geraten, die wie meistens auch bei ihm damit endeten, ein Mitarbeiter des Krankenhauses zu werden. Dies bedeutet, dass er die Sache von Grund auf kennt, und zwar sowohl als Gefangener als auch als Mitarbeiter der Sanitätsabteilung. Deshalb verstehe ich Schalamow.

Aber Solschenizyn kann ich nicht verstehen. Man sagt, dass er sich den Großteil der Haft als der Bibliothekar durchstudiert hat. Es ist klar, dass er nicht in eine Sanitätsabteilung passt. Und doch haben sie ausgerechnet in der Lagersanitätsabteilung bei ihm rechtzeitig eine Krebsgeschwulst aufgedeckt, und sie rechtzeitig herausgeschnitten, d.h., sie haben ihm das Leben gerettet. Ich weiß nicht, ob dies geht, oder ein Wunder ist … Aber wenn es dazu käme, dass ich ihm begegne, würde ich ihn fragen, ob dies die Wahrheit ist. Und würde er mir das als wahr bestätigen, dann würde ich ihm in sein Gesicht schauen und sagen: ‚Du Dreckschwein! Dich ‚vernichtete‘ niemand in einem Lagerkrankenhaus, sondern das Leben retteten sie Dir … Du elende Hündin!!!‘ Mehr habe nicht zu sagen.“

MAN MUSS IHM AUF DIE SCHNAUZE HAUEN

Nasarow schaltete sich in die Diskussion ein: „Jetzt habe ich endgültig verstanden, warum Solschenizyn so viel und so gewissenlos lügt. „Archipel GULAG“ wurde nicht geschrieben, um die Wahrheit über das Lagerleben zu sagen, sondern um dem Leser die Abneigung gegen die Sowjetmacht einzuflössen. Darum geht es hier offensichtlich.

Wenn man so etwas über die Mängel der Lagersanitätsabteilung sagt, werden damit die sich immer im bürgerlichen Krankenhaus befindenden Mängel kleingeredet. Und wenn gesagt wird, die Lagersanitätsabteilung wäre dazu da, zur Vernichtung der Gefangenen beizutragen, ist das schon amüsant.

Etwa ebenso amüsant wie die Erzählung über den Hund, der vom Menschen gebissen worden sein soll. Und die Hauptsache, das ist noch eine ‚Tatsache‘ der ‚Grausamkeit der Sowjetmacht‘ … gestatte, Mischa, dies abzurunden. Man hat schlicht satt, von dieser Verlogenheit angebohrt zu werden.“

„Nun denn, Abgang. Aber ein Beschluss ist erforderlich“, sagte Romanow.

Und dann verfiel er in einen amtlichen Tonfall: „Ich bitte jeden, seine Haltung zu diesem Buch und seinem Autor auszusprechen. Nur kurz. Die Reihenfolge geht nach dem Alter. Das Wort geht an Sie, Semjon Nikiforowitsch.“

„Meiner Meinung nach musste man für dieses Buch keinen internationalen Preis verleihen, sondern ihm vor aller Welt eins auf die Schnauze hauen.

„Das ist sehr verständlich“, wertete Romanow und blickte fragend zu Nasarow.

„Klarer Fall! Das Buch ist ein propagandistisches Auftragswerk. Und der Nobelpreis ist der Köder für die Leserschaft. Der Preis wird sicherer die Gehirne der Leser vernebeln helfen, den Lesern in die Irre verhelfen“, sagte Nasarow.

„Das ist nicht sehr kurz, sondern ausführlich“, bemerkte Romanow und schaute mich fragend an.

„Da dieses Buch so unerhört in seiner Verlogenheit ist, hat der Autor konkret von seinem Auftraggeber wohl die Silberlinge von der Menge her nach der Menge der Lügen erhalten“, sagte ich.

„Stimmt!“, so Romanow. „Er ist wohl der reichste Anti-Aufklärer … jetzt weiß ich, was ich meinem Lieblingsneffen zu schreiben habe. Meinen grossen Dank für die Hilfe! Jetzt geht’s los ins Kino, um den Stirlitz zu sehen.“

Am nächsten Tag frühmorgens bin ich zum ersten Bus geeilt, der mich zum Flughafen brachte, um von Magadan-Pewek abzufliegen.

Ich wiederhole mich. Der Autor dieser Publikation W. K. Almasow hat dies am 23. Januar 2011 veröffentlicht. Die Quelle.

Die Fußnoten nach dem Text. Die Zitate sind aus dem Roman „Archipel GULAG“ entnommen, der in einer Reihe von Nummern der gedruckten Zeitschrift „Neue Welt“ 1989 erschien:

1. № 10 S. 96

2. № 11 S. 75

3. № 8 S. 15 und 38

4. № 10 S. 116

5. № 11 S. 66.

* * *

Der Kommentar von Anatolij Wasserman: „Die Wahrheit über Stalin und seine Repressalien“:

2057132_600

VIDEO: https://www.youtube.com/watch?v=trBaJVvcmRc

Es blieb auch für mich dabei, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Diese Erzählung ist eine gute Hirnwäsche. Besonders für die junge Generation.

Erstens erklärt diese Erzählung und führt vor, welchen Maßstab (welches Niveau) die Lüge aufweisen kann, wie hoch sie im Westen bewertet sein kann, wenn es eine Lüge gegen Russland und die Russen sowie von einem Meister des Wortes, einem Schriftsteller verfasst, ist! (Solschenizyn hat für dies den Nobelpreis bekommen!)

Zweitens erklärt diese Erzählung und führt den Unterschied zwischen dem Juden und dem Hebräer vor.

Über Stalin erzählt der Jude Anatolij Alexandrowitsch Wasserman. Die verlogene Geschichte über die sowjetischen Lager erzählt auch ein Hebräer, Alexander Issajewitsch Solschenizin. Er ist auch ein Jude, aber ein Schuft. Ein ganz mieser Jude! Solche falschen Juden nennt man unter den Russen wie einst sehr üblich nun mal die Juden.

Quelle:

http://kalmius-info.ru/avtori/anton-blagin/kak-aleksandr-solzhenitsyn-pomog-mihailu-gorbachyovu-svoim-hudozhestvennym-proizvedeniem-razvalit-sssr.html

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Archiv

Eine Chronik der Ereignisse

August 2015
M D M D F S S
« Jul   Sep »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  
Follow SLAVYANGRAD.de on WordPress.com

Gib hier Deine Email ein um uns zu folgen und per Email über neue Beiträge informiert zu werden.

Schließe dich 16.971 Followern an

Frühere Beiträge

Statistik

  • 68,605 hits
%d Bloggern gefällt das: