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Eine traurige Geschichte voller Vetternwirtschaft und der Niedergang einer militärischen Einheit der Volksrepublik Donezk

Den Lesern gibt das Material Aufschluss über die Hintergründe der jüngsten Festnahmen bei der Aufklärungseinheit der Republikanischen Garde der Volksrepublik Donezk und hinsichtlich des Mordanschlags auf Sachartschenkos Sekretärin Jelena Filippowa am 14. Juli 2015.

Eine traurige Geschichte voller Vetternwirtschaft und des Niedergangs einer militärischen Einheit der Volksrepublik Donezk

von Coronel Cassad
übersetzt von MATUTINSGROUP

Livejournal, 21. Juli 2015 – 14:28 Uhr.-   Vor dem Hintergrund der verstärkten Kampfhandlungen begannen in Donezk seltsame Dinge zu geschehen. Am 14. Juli berichteten fast alle Nachrichtenagenturen vom Anschlag auf das Leben Jelena Filippowas, der Chefsekretärin von Alexander Sachartschenko, in deren Auto eine Bombe explodierte. Die Frau überlebte, jedoch bewerten die Ärzte ihren Zustand als kritisch.

Nur wenige Stunden später erhielten die Nachrichtenagenturen eine neue Nachricht. Das Hauptquartier der Aufklärungsabteilung der Republikanischen Garde war umzingelt worden und mehrere Offiziere wurden verhaftet.

Der ehemalige Staatssicherheitsdienstchef der Volksrepublik Donezk, General Petrowski („Gloomy“), goss Öl in das Feuer mit einem rätselhaften Ausspruch, dass dies alles erst der Anfang wäre. Öffentlich schürte er damit Ängste.

Im Gegensatz zur Prognose des „Gloomy“ ist scheinbar alles im Niedergang begriffen. So begann auch ich die tragische Episode mit der Sekretärin zu vergessen. Kürzlich jedoch traf ich einen alten Freund, der in der Geheimdienstzentrale der Republikanischen Garde (RU WG) seinen Dienst verrichtet hatte, und erst ganz kurz vor diesen Geschehnissen dort gekündigt hatte. Bei dem, was er mir erzählte, standen mir meine Haare zu Berge.

Erstens ist RU WG als einstige GRU RG der Volksrepublik Donezk das geistige Produkt von General Petrowski und spielte bekanntlich eine aktive Rolle in den Kampfhandlungen bei der Verteidigung von Marinowka, Dubrowka, dem Flughafen Donezk, Ilowajsk, Uglegorsk, Logwinowa. Was eine unvollständige Liste der Orte ist, an denen diese Einheit kämpfte. Immer zeichnete sie sich durch hohe Kampfkraft und Zuverlässigkeit aus.

Nach dem Weggang von „Gloomy“ wurde diese Einheit Teil der Republikanischen Garde und nahm an den Kampfhandlungen zur Verteidigung von Marinka teil. Die Entscheidung, seine alte angestammte Einheit zu verlassen, kam dann zustande, als in RU WG für das militärische Kollektiv völlig unvorstellbare Dinge in Erscheinung zu treten begannen. Weiter dazu mit den Worten des erzählenden Genossen.

Alles begann mit der Tatsache, dass in einem Stützpunkt der Einheit eine weibliche Person erschien …

Ihr Alter 20 – 24. Sie kam (Achtung!) in einem dunkelroten Range Rover, barsch, flegelhaft, vom Eindruck her also nicht das Beste. Aber man weiß nie. Erst einmal muss man dem keinen Wert beimessen. Auch interessierte ich mich nicht für so jemand. Ich erinnere mich nur, dass ihr Name Alexandra war, welcher oft fiel unter Bezugnahme auf ihre Trotzigkeit und ihre Nähe zum Spitzenmann der Republik.

Aber eines Tages im Mai 2015 wurde irgendwo bekannt, dass sie vom 1. Stellvertreter des Geheimdienstchefs berufen und mit dem Rang eines „Majors“ ausgestattet worden war. Vorhang auf. Ein 20-jähriges Mädchen leitet da Menschen, die ihre Prüfungen durch Feuer und Wasser in einer der effizientesten militärischen Abteilungen der Volksrepublik Donezk bestanden haben. Als es damit losging und sie ihren Dienstgrad als „Major“ erhielt, breitete sich ringsum ein Schweigen aus. Aber was soll man tun, Dienst ist Dienst, die Nachricht wurde grummelnd geschluckt. Was mir sofort ins Auge fiel, nicht alle waren von der Ernennung erschüttert. Einige Kommandeure nahmen die Nachricht mit großer Begeisterung auf. Es wurde bald klar, warum dies so ablief.

Innerhalb von wenigen Wochen wurden fast alle Abteilungschefs des Geheimdienstes entlassen. Und wer wohl eingesetzt? Dieselben Kommandanten, die ihre Lobeshymnen auf die neue Führungsfrau gesungen hatten. Einige neu ernannte Führungskräfte, um es gelinde auszudrücken, verfügten nicht über Fähigkeiten und fachliche Qualitäten. Einige entlassene Abteilungschefs wurden wegen „Verrat“ angeklagt und verhaftet. Und einige sind seitdem in Haft. Auf welcher Grundlage von welchen Beweismitteln im Besitz der Erzeuger dieser Repression, das ist unbekannt. Aber es ist bekannt, dass vor allem Leute aus der 2. Kompanie hohe Posten und Titel erhielten, die der „Alte“ geführt hatte (bitte behalten Sie diesen Decknamen in guter Erinnerung, denn das ist eine wichtige Persönlichkeit in unserem Krimi). Gut, eingesetzt und gut. Das sind für den einfachen Soldaten nicht die Hauptnachrichten. Üblicherweise misst man dem nicht viel Bedeutung bei.

Aber sie brachten den Wechsel mit sich. Die erste Glocke läutete, als denjenigen Soldaten, die ab Februar in die Einheit gekommen waren und wegen Kassenunstimmigkeiten zweifach unterbezahlt worden waren, auf ein Mal eine bestimmte „Probezeit“ erklärt wurde.

Es begann eine Elitekaste zu erscheinen. Dies waren Personen aus der Nähe des „Alten“ und Saschas, zwischen denen eine intime Beziehung deutlich gewesen ist. Sie nahmen sich heraus, sich gegenseitig zu demütigen. Sie beleidigten diejenigen Kämpfer, die die Freude an den neuen Elite-Schoßhündchen mit ihren neuen Terminen und administrativen Entscheidungen nicht teilten. Sie bekamen die Unterdrückungsmaschinerie zu spüren. Die Inhaftierung von Abweichlern verlief weiter über lächerliche und offensichtlich an den Haaren herbeigezogenen Gründen.

Das Gefühl der Willkür unter dem neuen Stellvertreter des Chefs der RU führte zu schweren Zerwürfnissen. Mein Genosse stand auch auf der Liste der „Entrechteten“. Er war nicht bereit, dies zu erdulden. Wegen der Ungerechtigkeit verließ er die Einheit, rief aber weiterhin dazu auf, sich mit den alten Kampfgenossen zu treffen. Die Abteilung wurde geteilt. Die Auseinandersetzungen eskalierten. Alles lief auf einen Höhepunkt zu. Und sie, jenes Mädchen, war doch erst am 14. Juli angekommen … .

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Mit den Worten von meinem Freund. Ich habe auf einem veröffentlichten Foto im Netzwerk den Range Rover wiedererkannt, welchen Sascha fuhr. Sie gab ihn ihrer Mutter einen Monat zuvor zurück. Die Tatsache, dass ihre Mutter eine Person aus dem Umfeld des Regierungschefs der Republik ist, war bekannt. Aber wer genau sie ist, haben wir bis zu dieser Publikation nicht gewusst. Was wurde in dieser Beziehung begonnen?

Die nicht gerade durch Freundlichkeit und Angemessenheit auffallende Sascha entgleiste vollends. Sie geriet ausser sich, schoss in die Luft und befahl dem Kompaniechef, den gesamten Sitz des Geheimdienstes zu umstellen.

Offenbar nahm sie an, dass der Angriff auf ihre Mutter von einem Geheimdienstoffizier organisiert worden war, welcher nicht die große Liebe und den treuen Hund abgegeben hätte.

Warum wurde dies nicht den zuständigen Organen übergeben? Wirklich, warum? Die Unart ist ihre zweite Natur: schießen,- jeden verhaften, der lange nicht gesehen wurde,- dies ist dann ihre Beschäftigung geworden.

Aber die Geduld war überstrapaziert worden. Eine Gruppe von Offizieren und Soldaten, die nicht die Hysterie und die Willkür von Sascha in den Organen der inneren Angelegenheiten und der Staatssicherheit unterstützt haben, waren aufgebracht und forderten, die Willkür zu beenden. Die Reaktion jenes Mädchens bestand darin, zwei Kompanien in Alarmbereitschaft zu versetzen und zu befehlen, die „Rebellen“ zu entwaffnen sowie dabei alle Mittel einzusetzen.

Viele Soldaten wollten keine Rolle mehr in diesem absurden Theater spielen. Aus Angst vor willkürlichen Abrechnungen gingen sie aus ihrer befohlenen Truppenaufstellung weg und verbündeten sich mit derjenigen Gruppe von Offizieren und Soldaten, die sich dieser Tyrannei entgegenstellten. Und sie waren bereit, sich für ihre Verteidigung zusammenzuschliessen.

Können Sie sich das vorstellen? Beinahe inmitten von Donezk schießen sie aus automatischen Waffen und Granatwerfern, laufen die Gefechte entlang der Frontlinie. Ein Unsinn, der beinahe Realität geworden wäre.

Dank des Geschicks der Offiziere und Ermittler der RU der Volksrepublik Donezk wurde der Unsinn keine Realität. Ihr Eingreifen brachten das hysterische Mädchen und ihre Adepten etwas zur Besinnung. Jetzt wurde der Konflikt etwas eingefroren, wobei beide Seiten ihre Positionen stark verteidigten. Wie man diese Situation löst, ist unbekannt. Für die meisten Offiziere und Soldaten ist ihre militärische Ehre und der gesunde Menschenverstand keine leere Phrase unter Belagerungszustand. Sie verteidigen sich vor ihren gestrigen Waffenbrüdern.

Somit das Fazit.
Eine der kampfstärksten Einheiten der Volksrepublik Donezk wurde beinahe auf Null wegen inneren Querelen heruntergewirtschaftet. Wie gelang einem jungen, wahrscheinlich geistig nicht ganz gesunden Mädchen, sich einen erheblichen Teil dieses militärischen Kollektivs unterzuordnen? Warum hörte ihr überhaupt jemand ernsthaft zu?

Die Antworten wurden nach den Ereignissen des 14. Juli deutlich. Die Mutter von Alexandra ist die Sekretärin von Sachartschenko. Das ist das „Umfeld“ des Regierungschefs der Republik, wo Ernennungen die wertvollen Signaturen erhalten. Aber diese Karriere ist nur die Spitze des Eisbergs.

Allen militärischen Angehörigen der Einheit sind die geheimnisvollen Reisen des „Alten“ zu einigen Objekten auf der Suche nach Diversions- und Aufklärungsgruppen (DRG) der Streitkräfte der Ukraine bekannt. Seltsamerweise und umständehalber verläuft diese Arbeit der Kämpfer des „Alten“ zur Neutralisierung besagter DRG der ukrainischen Streitkräfte in Häusern und Wohnungen mit vielen Antiquitäten und anderen Sachwerten einher. Gefangene „Diversanten“ werden ohne Gerichtsverfahren und Untersuchung „im Keller inhaftiert“. Das Schicksal vieler von ihnen ist unbekannt. Unter diesen Diversanten finden sich reine Zivilpersonen.

Im übrigen unterschied sich die glorreiche 2. Kompanie schon immer dadurch, dass es ihre Aktivitäten sind, die Objekte im Zentrum von Donezk zu schützen. Konkret bekannt ist dies beim Hotel „John Hughes“, welches sich die lokalen Bonnie und Clyde schon seit langem unter den Nagel gerissen haben. Es gibt dann noch die Auto-Basis in Makejewka. Und Gott weiß, was alles noch. Die Frage ist, woher hat der „Alte“ so eine Dreistigkeit und das Wissen bezüglich dieser Dinge? Und hier ist eine weitere Antwort auf diese Frage in diesem Krimi:

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Die Website des Strafvollzugssystems der Ukraine: http://www.kvs.gov.ua/peniten/control/main/uk/publish/article/731668: 33.

Der Mann in der Spitzenposition dort heisst Fadejew, Andrej Borissowitsch. Er wurde im Jahr 2007 zu 15 Jahren Gefängnis wegen Mord verurteilt. Er entkam aus dem Gefängnis Slawjanoserbsk während der Kampfhandlungen dort vor Ort. Dass dies der „Alte“ ist, daran besteht kein Zweifel! Dies sind die Edelgangster! Unter Ausnutzung der Beamtenstellung der Mutter deckte die Filippowa die Gewaltkriminalität ihres Geliebten, und somit agierte er unermüdlich.

Statt einem Nachwort. Auf welche Weise gelang es dem flüchtigen Verbrecher zusammen mit seiner Geliebten, die Tätigkeit einer größeren militärischen Struktur zu lähmen? Dies alles hatte mit der 2. Kompanie begonnen, wo eine recht lange Zeit der organisatorisch geschickte „Alte“ führte. Er versuchte nicht einmal zu fliehen. „Den Gefängnissen und Türmen entkommt niemand“ (populärer russischer Spruch bezüglich der ukrainischen Stadt Sumy – MATUTINSGROUP). Das heisst, dorthin kann buchstäblich jeder gelangen. Das ist kein Grund für Kritik. Aber die Tätigkeit, die der aus dem Gefängnis entlaufene „Alte“ ausgeübt hat,- das diskreditiert insbesondere diese Milizeinheit völlig.

Nach und nach sammelte er seine Mannschaft aus Gleichgesinnten und förderte sie nach Kräften. Diese Krebsgeschwulst traf das militärische Kollektiv unmerklich. Ihm gelang es, einige andere, sehr respektierte Kommandeure auf seine Seite zu ziehen, ohne die Situation völlig zu beherrschen. Seine Ranggenossen und Unterstellten wurden auch ermutigt, denn endlich erhielt er eine verdiente Belohnung für die im Februar geführten Kämpfe wegen der Beziehungen zur Mutter von Alexandra. Für einige war dies ein guter Grund für die Durchführung der Befehle der „neuen Obrigkeit“.

Die sakramentale Frage: Warum hat Sachartschenko so etwas zugelassen? Ich will ihn nicht beschuldigen. Durch seine Hände gingen tonnenweise Dokumente. Er hatte nicht seine Mannschaft. Wir müssen delegieren und den Menschen vertrauen, die wir haben. Die Kaderprüfung ist lang und schmerzhaft. Es bleibt zu hoffen, dass Schlussfolgerungen gezogen werden, und dass die Schuldigen bestraft werden.

Die RU RG erfreuen uns immer noch mit ihren Siegen. Also, wer hat den Angriff auf Jelena Filippowa organisiert? Aber das ist eine Sache der Ermittlungsbehörden. Angesichts der hektischen Aktivität ihrer Töchter und der Komplizen hatte sie genug Feinde.

Der Freund, der diese traurige Geschichte erzählte, wechselte in eine andere Struktur. Aber er sehnt sich nach seinem Kollektiv zurück. Und er will zurück, wenn alles wieder normal ist.

Es ist zu hoffen, dass die staatlichen Strukturen der Volksrepublik Donezk stark genug sind, um die Situation ohne Blutvergießen und im Bereich der Justiz zu lösen.

Quellen:

http://war-and-world.livejournal.com/1688.html

http://colonelcassad.livejournal.com/2301449.html#cutid1

Kommentar von Colonel Cassad:

PS. Im Grunde hat selbst Petrowski bestätigt, dass die Informationen über die geschilderten Ereignisse in seiner ehemaligen Dienststelle wahrheitsgemäss sind.

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„Wenn all dies wahr ist …  ;-( “

„Zu 100% bestätige ich den Wahrheitsgehalt des Erzählten …  ;-( „

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