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Teil 2: Der Krieg wird lange und schwer sein

Präambel: Der folgende Text ist der zweite aus einer Serie von vier Interviews die wir von Ilja Degtiarov erhalten haben, der den Donbass Anfang/Mitte August 2014 besucht hat und mit Menschen Gespräche geführt hat. Es sind Einblicke in die Denkweise und Motivationen dieser einfachen, hart arbeitenden Menschen, die sich das Recht nehmen, für ihre Freiheit, ihre Kultur, ihre Religion und den Boden auf dem sie geboren und aufgewachsen sind, auf dem sie leben, gegen die faschistisch geprägte Regierung in Kiev zu verteidigen. In diesem Interview kommt erneut ein Mitglied der Volkswehr zu Wort. (Die Redaktion.)

Teil 1: Interview mit einem Aufständischen


Ich habe nicht weit von der ukrainischen Grenze in Russland einen Aufständischen aus der Lugansker Volksrepublik Anfang August 2014 interviewen können. Ich glaube nicht, dass ich diesen Text irgendwo in den Massenmedien veröffentlichen kann, aber wer Interesse hat, kann ihn hier lesen. Der Text wurde ins Deutsche übersetzt.

Aufgezeichnet durch: Ilja Degtjarov


Der-Krieg-wird-lange-und-schwer-sein


Was würden Sie den Europäern, vor allem den Deutschen, über die Situation in der Ukraine, insbesondere im Südosten, sagen?

Ich möchte unseren Nachbarn, die wir immer respektvoll behandelten, als russisch-orthodoxer Christ sagen, dass wir ihnen gegenüber in keiner Weise feindlich eingestellt sind. Ich glaube, dass die Situation in der Ukraine als Bürgerkrieg betrachtet werden kann, der 1917-18 im ganzen Heiligen Russland anfing, das damals als Russisches Reich bezeichnet wurde. Im Russischen Reich wohnten  zahlreiche Völker; es war kein Völkergefängnis, weil diese Völker sich frei entwickeln konnten: Sprachlich, wirtschaftlich und in Bezug auf ihren Lebensraum wurden sie nicht benachteiligt.

Aber gewisse Mächte, die ich nicht nennen soll, wollten dieses Land vernichten. Dieser Teil der Geschichte wirkt durch den Einfluss der westlichen Massenmedien auf die russischen Menschen, die sich als Ukrainer bezeichnen. Infolge irreführender Informationen glauben sie, dass sie für den Staat Ukraine kämpfen. De facto kämpfen Sie aber für Europa. Ich habe mal versucht, mich damit auseinanderzusetzen, wodurch sich diese Werte von unseren russisch-orthodoxen Werten unterscheiden. Die europäischen Werte zeigen sich anhand des Sieges eines sonderbaren Wesens, einer Frau mit Bart, beim Eurovision Song-Contest 2014. Gerade das zeigt die wichtigsten Werte von Europa: Weder Humanismus noch Liebe noch gute Beziehungen zu anderen Menschen noch die Möglichkeit, den Geboten Gottes folgen zu dürfen, sondern nur grenzenlose Unzucht.

Diese Grenzenlosigkeit betrifft auch die Lust am Ausbeuten des Schwächeren. Sie betrifft auch moralische Aspekte. Wie soll die Welt weiter bestehen, wenn die Hälfte davon, sagen wir mal, homosexuell wird. Wo soll die Weltbevölkerung herkommen? Es ist mir bewusst, dass die sogenannte Theorie der goldenen Milliarde existiert, laut derer nur die Völker weiter existieren dürfen, die wirtschaftlich entwickelt sind. Die Schwachen sollen den Lebensraum frei machen. Diese Idee betrachte ich als verbrecherisch.

Nicht wir sind zu Ihnen mit dem Schwert gekommen, sondern sie zu uns. Wir haben sie nicht gerufen. Sie sind selbst in unser Gebiet eingedrungen. Sie verbieten uns, unsere Sprache zu sprechen, sie verbieten uns, unsere Kirchen zu besuchen. Sie bringen unsere Kinder, Frauen und Alten um. Sie setzen alle Waffen ein, darunter auch Waffen, die durch internationale Abkommen verboten sind: Phosphorbomben und Streumunition. Menschen, die an den Kämpfen teilgenommen haben, z.B. in Slawjansk, auch um Lugansk herum, haben es mehrmals beobachten können. Auch ich habe entsprechende Splitter gesehen, darunter in der Nähe von Metallist im Lugansk-Gebiet.

Haben Sie etwas gesehen, was darauf hinweist, dass die ukrainische Armee Hilfe aus dem Westen bekommt? Ich habe z.B. gelesen, dass man deutsche Kampfhelme gefunden hat. Es gab auch Mitteilungen, dass Deutschland offiziell der ukrainischen Armee Uniformen liefert. In einem Anna-News-Interview haben Aufständische berichtet, dass sie über Rundfunkgeräte die deutsche Sprache gehört haben. Ob es tatsächlich Deutsche waren oder nicht, ist eine andere Frage, aber man konnte Deutsch auf der Seite der ukrainischen Armee hören. Die Polen sind mit eigenen Kanonen schon angekommen, es gibt auch andere mehr oder weniger bestätigte Berichte über Ausländer. Man habe wohl auch dunkelhäutige Leichen gefunden, wobei aber die Fotos wohl noch nicht veröffentlicht wurden. Steckt da etwas dahinter?

Ja, leider kann ich das bestätigen. So haben unsere Jungs z.B. südlich von Krasnodon, in der Nähe von Izwarino, wo ukrainische Truppen neulich zerschlagen wurden, Dunkelhäutige gesehen und auch Polen mit entsprechenden Ärmelstreifen auf Uniformen. Ihre Leichen konnte man nicht bergen, es stinkt dort unerträglich. Dort in der Nähe gibt es einen Fluss und unsere Jungs konnten dort nicht schwimmen gehen, weil die ukrainische Armee ihre Leichen nicht einsammelt. Man hat dort die Leichen der Söldner gesehen. Ich persönlich habe keine Söldner gesehen, aber meine Kameraden haben davon berichtet: Man hat Dunkelhäutige bei der Verteidigung von Lisitschansk gesichtet, auch südlich von Krasnodon und vor Swerdlowsk.

Ich habe schon mal letzte Woche von Zeugen gehört, dass die Polen in ihren polnischen Uniformen kämpfen und eigene Panzer mitbringen.

Ja, das ist uns bekannt. Eine große Menge der Kampftechnik war nach dem Zerfall des Warschauer Pakts gelagert. Diese alte Sowjettechnik befindet sich auch jetzt im hervorragenden Zustand. Das sind u.a. T-Panzerwagen in verschiedenen Modifikationen, die sich in den Ländern des Warschauer Pakts befanden: In Ost-Deutschland, Polen und der Tschechoslowakei. Und nun wird diese Technik importiert. Es ist uns schon klar geworden, dass solche Unmengen an Kampftechnik in der Ukraine einfach nicht vorhanden waren.

Auf der Seite der Ukraine agieren auch die Kräfte aus West-Europa, die sich als demokratisch verstehen und sich angeblich für die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit der Völker einsetzen. De facto agieren sie aber auf der Seite des Faschismus, auf der Seite der Menschen, die durch Massenmedien verblödet wurden. Auf der Seite der Kräfte, die offen brutale Kriegsmethoden einsetzen: Man kann sich in dieser Hinsicht an Massenerschießungen von Frauen, Kinder und Älteren, auch Männer, in der Stadt Schastje erinnern. Alle, die in die Hände der ukrainischen Armee fielen, wurden erschossen.

Man konnte in Schastje Hunderte von Leichen beobachten, die auf den Straßen herumlagen. Wie es jetzt dort aussieht, ob die Leichen inzwischen geborgen wurden, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass die Einwohner versuchten, einige Leichen abzutransportieren und die LKW-Fahrer dabei erschossen wurden. Sehr häufig blieben solche LKWs mit toten Fahrern einfach auf der Straße stehen. Dabei hatten sie mit den Aufständischen nichts zu tun. Das waren einfach Zivilisten, die versuchten, sanitäre Bedingungen in der Stadt zu schaffen. Alleine dafür wurden sie getötet.

Können Sie weitere besonders gravierende Beispiele nennen, über die man im Westen, wie auch in ukrainischen Massenmedien, nicht berichten würde? Bespiele, die man einfach hören muss.

Erst vor Kurzem, etwa vor eineinhalb Wochen, passierte Folgendes in dem Dorf Karpaty neben Altschewsk. Gegen 21 Uhr wurde ein unbemanntes Flugzeug am Himmel beobachtet. Geschäftsleute halten dort große Viehherden: Kühe und Stiere. Das Flugzeug hat offensichtlich diese Herden mit einer Ansammlung von Aufständischen verwechselt. Von Wesjolaja Tarasowka aus wurden die Herden mit Grad-Werfern flächendeckend beschossen. Die Herden wurden vernichtet. Das haben wir selbst beobachten können. Das zeigt die „Professionalität“ der Menschen, die gegen uns den Krieg führen.

Ich meinte eher andere Fakten, z.B. Berichte, dass in Slawjansk ein dreijähriges Kind gekreuzigt wurde. Etwas, was man im Westen nie offiziell bestätigen wird und nie glauben wird. Oder die öffentliche Erschießung der alten Mutter eines Aufständischen alleine dafür, dass sie seine Mutter war; das war wohl ebenfalls in Slawjansk.

Ich habe mehrfach vergleichbare Berichte gehört. Menschen, die nach Charkow auswandern wollten oder über den Norden des Lungansker Gebietes in Sammeltaxis wegfahren wollten, wurden von der Armee gestoppt und gezwungen, zu schreien „Heil der Ukraine“. Wer sich weigerte, wurde erschossen.

Was denken Sie über die Boeing-Katastrophe? Im Westen behauptet man, es müssen Aufständische gewesen sein und Putin persönlich seien daran zweifellos schuld.

Wozu sollen Aufständische oder Russland ein Flugzeug abschießen und damit die Wut der Weltgemeinschaft hervorrufen? Ist Russland daran interessiert, dann nach Ausreden zu suchen? Die Aufständischen verfügen auch nicht über entsprechende Qualifikation, mit dermaßen komplizierter Technik zu arbeiten. Solche Waffen bedürften spezieller Vorbereitung von einem ganzen Team. Ein ganzes Team muss über entsprechende Kenntnisse verfügen, um so ein Ziel zu erreichen. Das wäre weder für Russland noch für die Aufständischen von Vorteil. Andererseits ist es für die Ukraine und für die westlichen Partner dieses Nazi-Regimes durchaus von Vorteil, damit man die andere Seite des Verbrechens beschuldigen kann.

Was sagen Sie dazu, dass mal Australien, mal Holland, mal Deutschland anfangen, ganz offiziell die Entsendung von Truppen in die Ukraine zu diskutieren? Erst vorletzte Woche hat irgendein Politiker in Deutschland die Entsendung von militärischen Einheiten in die Ukraine gefordert, logischerweise auf der Seite der ukrainischen Armee.

Genauso kann man Australien daran erinnern, wie man dort die Urbevölkerung behandelt: Sie stirbt an Alkoholismus aus, befindet sich de facto in Reservaten. So kann man auch die Entsendung von internationalen Truppen nach China, Brasilien, Russland, Indien zum Schutz der unterdrückten Ureinwohner verlangen. Wir sind keine Einwanderer in unserem Land. So war Sloboschanschina nie ein Teil der Ukraine bis 1920. Das war immer ein Teil Russlands. Auf den Gebieten, die jetzt zur Lugansker und Donezker Volksrepubliken gehören, war mal die Don-Armee stationiert, das waren Gebiete, die zum Jekaterinoslawsk-Gouvernement gehörten, das seinerseits ein Teil von Neurussland war. Neurussland bestand aus den Gebieten Dnepropetrowsk, Saporoschje, Nikolaew, Kherson und Odessa sowie aus der Halbinsel Krim. Sie waren nie ein Teil des Staates Ukraine. Zum Teil der heutigen Ukraine wurden sie dadurch, dass Bolschewiken diese in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik eingliederten.

Im Westen wird dieser Konflikt in den Massenmedien so dargestellt, dass russische Kampfeinheiten und von ihnen bezahlte Banditen einen Krieg gegen die heldenhafte ukrainische Armee führen, die von dem ganzen Volk unterstützt wird. De facto wird es zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erklärt. Die Aufständischen werden als russische Söldner oder gar als Teile der regulären russischen Armee dargestellt.

Ja, leider habe ich von diesen Meldungen gehört, auch in zerrissenen Familien hier. Familienmitglieder, die in der Zentral- oder West-Ukraine wohnen, rufen ihre Verwandten in der Lugansker oder Donezker Volksrepublik an und fragen, ob diese verrückt geworden sind, Russen zu unterstützen. Sowohl ich als auch viele von meinen Kameraden sind bei dem Einwohnermeldeamt in Lugansk gemeldet.

Auch von den Kriegsgefangenen haben wir gehört, dass man ihnen sagte, sie werden gegen die Russen kämpfen. Wir haben ihnen unsere Pässe mit Adressen in Lugansk gezeigt und sie damit in Erstaunen versetzt. Das ist schon mehrmals vorgekommen. Den Kriegsgefangenen Pässe zeigen war eine Art Schocktherapie für sie. Wenn wir mit den Vertretern der West- und Zentral-Ukraine unter weißen Flaggen zusammenkommen und ihnen unsere Pässe zeigen könnten, dann wären sie erstaunt, weil die Informationen aus den Massenmedien nicht der Wahrheit entsprechen.

Wir werden nicht offiziell von Russland unterstützt, sondern von einfachen Menschen, die in der Lugansker Volksrepublik gewohnt haben oder wohnen, sowie von den Menschen, die aus unserer Region stammen und zurzeit in Russland wohnen. Sie haben viele Verwandte in Lugansk, sie haben dort ihre Geschäfte und Immobilien und wollen das alles bewahren. Daher unterstützen sie uns finanziell und mit anderen Ressourcen.

Welche Prognose würden Sie für die nächsten Monate machen? Was wird im Süd-Osten der Ukraine passieren?

Der Krieg wird lange und schwer sein. Wir verfügen über wenige Ressourcen, die Ukraine hat dagegen aufgrund der Unterstützung durch Europa unbegrenzte Ressourcen. Daher können wir uns nur auf Gott und die Charakterstärke der Menschen aus dem Donbass verlassen, die hier gearbeitet haben und zum Teil immer noch arbeiten. Bei den einfachen Menschen, die etwa in den Bergminen arbeiten, haben schon ihre Arbeitsbedingungen zu ihrer Willensstärke beigetragen. Daher werden wir bis zum Letzten kämpfen, obwohl das Verhältnis von Aufständischen zu ukrainischen Soldaten bei mindestens einem zu dreißig liegt.

Wie wollen Sie im Winter überleben? In Lugansk und Donbass insgesamt gibt es weder Wasser noch Strom noch Wärme, es wird gekämpft. Es ist schon jetzt eine humanitäre Katastrophe und es wird wohl nur schlimmer.

Ja, die humanitäre Katastrophe ist schon passiert. Ich habe vor Kurzem meine Familie gesehen, die ich auch aus der Lugansker Volksrepublik evakuiert habe, weil dort keine ausreichenden Lebensbedingungen mehr vorhanden sind, ob Strom-, Benzin- oder Lebensmittelversorgung. Das ist eine Katastrophe, die man in Europa aus irgendeinem Grund nicht sehen will. Es ist nicht schwer, zu erkennen, was hier tatsächlich passiert. Es würde schon ausreichen, an der russisch-ukrainischen Grenze entlang zu fahren, sich anzuschauen, was in Flüchtlingslagern passiert. Man könnte Flüchtlinge befragen, wie man ihre Städte systematisch zerstörte und das waren nicht die Aufständischen. Man könnte sie über die Wasser- und Lebensmittelversorgung, über die medizinische Versorgung befragen. Man kann es nicht anders als eine humanitäre Katastrophe bezeichnen.

Im Westen nennt man Aufständische bestenfalls Separatisten. Ist diese Bezeichnung berechtigt?

Natürlich nicht. Warum haben wir die Waffen in die Hände genommen? Es blieb uns nichts anderes übrig. Wenn man uns das Recht abspricht, unsere Muttersprache zu sprechen, unsere Kinder zur Schule zu bringen, wo unsere Muttersprache gesprochen wird, wenn man uns verbietet, der Religion zu folgen, die wir für richtig halten, wenn man uns verbietet, an die Helden zu glauben, die wir für Helden halten, wenn man uns eigene Ansichten zu der Geschichte der Ukraine verbietet, dann haben wir keine Wahl.

Wir sind keine Separatisten, wir versuchen einfach, mit Waffen in den Händen unsere Rechte zu verteidigen. Und wir werden selbstverständlich in einem Staat nach so viel Blut nicht koexistieren können. Dieses Blut wird dazu führen, dass jemand wieder zu Waffen greifen wird, ob von unserer oder der anderen Seite. Wir sollten friedlich auseinander gehen. Wir brauchen unseren eigenen Staat. Wir, Neurussland, werden keine Ansprüche auf neue ukrainische oder auch russische Gebiete erheben. Wir wollen einfach friedlich koexistieren. Wir brauchen dieselben Rechte, die man in Europa, im Westen zwar deklariert, aber die uns unzugänglich bleiben, weil Europäer uns diese absprechen. Sie halten sich für Schiedsrichter, sind aber nicht unparteiisch: Den Ukrainern gegenüber sind sie wohlwollend und wir wurden als Separatisten abgestempelt.

Gibt es westliche humanitäre Organisationen, die im Süd-Osten der Ukraine helfen bzw. den Flüchtlingen Hilfe leisten?

Ich habe so etwas mal gehört, es gab mal Information über irgendeine Organisation von Frauen für Frieden, die in einem Flüchtlingslager tätig waren. Die Lage dort ist schwer, zumal am 1. September, also in einem Monat, schon der Schulunterricht anfängt. Der Schulunterricht muss auch in Russland für Kinder der Flüchtlinge anfangen. Diese Kinder müssen sich einleben. Diese Organisationen gibt es zweifellos. Leider bleiben aber die Menschenrechtsaktivisten bzw. Organisationen, die sich als solche bezeichnen, die ihren Aussagen nach nationale Minderheiten und unterdrückte Völker unterstützen, für uns unsichtbar. Ich habe z.B. kein einziges Mal solche Organisationen in der Lugansker Volksrepublik gesehen. OSZE-Beobachter waren zwar da, aber es gab einen Fall bei Dolschanski im Mai diesen Jahres, dass nach der Abfahrt der OSZE-Vertreter unser Lager vernichtet wurde. Man kann davon ausgehen, dass sie irgendwelche signalsendende Geräte installiert haben. Das wird auch an anderen Orten gemacht: Sobald OSZE-Autos wegfahren, werden diese Gebiete aus der Luft angegriffen.

Wenn man die Hilfe der westlichen und russischen humanitären Organisationen vergleicht, wer leistet mehr Hilfe für den Süd-Osten [der Ukraine] und für Flüchtlinge?

Von den westlichen Organisationen habe ich gar nichts gehört, bis auf die schon genannte Organisation der Frauen, die sich für Frieden einsetzen. In der Lugansker Volksrepublik habe ich nie westliche humanitäre Organisationen gesehen und auch davon nie gehört. Mit Russland ist es anders: Hilfe kommt von den Menschen, die zwar auf der anderen Seite der Grenze wohnen, aber sich Sorgen um ihre Verwandten machen. Man schickt uns Lebensmittel, Medizin, Kleidung, insbesondere für Kinder, Babys, weil sehr häufig einfachste Haushaltsgegenstände infolge von Artilleriebeschüssen unbrauchbar werden. Stellen Sie sich vor, dass ein Baby weder Kleidung noch Windeln hat. Es ist sehr schwer, unter solchen Bedingungen ein Kind zu erziehen.

Gibt es irgendwelche Einwände zur Arbeit der westlichen Journalisten? Es gab Berichte, dass sie Fakten verdrehen oder, wie es auch ukrainische Massenmedien machen, „Zeugen“ von „Verbrechen“ der Aufständischen mitbringen, sie dann interviewen und wieder mitnehmen.

Ja, solche Fälle gab es tatsächlich. Es fällt auch auf, dass westliche Journalisten, die man auf ukrainischen TV-Kanälen wie „112“, „1 + 1“, „Inter“ sehen kann, nie versuchen, zwei unterschiedliche Ansichten zu präsentieren. Es wird immer alternativlos nur eine Meinung angeboten. Ich glaube, wer die Wahrheit finden will, sollte Ansichten von beiden Konfliktparteien zeigen und durch Videoaufnahmen bekräftigen. Das ist aber nicht der Fall: Es werden nur die Ansichten einer Seite präsentiert, was ihre Informationen unglaubwürdig macht.

Kann man die ukrainische Regierung als nationalistisch, faschistisch, pro-faschistisch charakterisieren? Wie würden Sie sie charakterisieren und warum?

Ich befürchte, die Bezeichnung „nationalistisch“ passt nicht. Und sogar der Begriff „faschistisch“ erscheint mir falsch. Was sie ihrem Volk antun, hat Hitler nur anderen Völkern angetan, aber nicht seinem eigenen. Es fehlen mir daher die Worte, wenn ich nach einer passenden Bezeichnung suchen sollte. Diese Regierung ist schlechter als nationalistisch, schlechter als alle bekannten faschistischen Regimes. Diese Menschen vernichten einen Teil ihres Volkes. Sie töten die Menschen, die um  grundlegende Rechte kämpfen, um selbstverständliche Rechte, die jedem Menschen zustehen: Recht auf Arbeit, Bildung, Leben, eigene religiöse Ansichten.

Wir haben doch nicht mehr als das von dieser Regierung verlangt. Wenn sie uns aber als Separatisten und Feinde des anderen Teils des sogenannten ukrainischen Volkes eingestuft hat, dann kann ich keine passende Bezeichnung für diese Regierung finden. Das ist schlimmer als nationalistisch, pro-faschistisch, es ist schlimmer als alles, was je davor existierte. Der einzige mögliche Vergleich ist das Regime von Pol Pot in Kambodscha: Er hat auch Tausende und Millionen seine Bürger getötet. Pol Pot wurde aber zum Kriegsverbrecher erklärt, während die ukrainische Regierung voll durch den Westen unterstützt wird, obwohl sie kein bisschen besser ist als das Regime von Pol Pot.

Was glauben Sie, was steckt hinter dieser Einstellung der ukrainischen Regierung zum Süd-Osten der Ukraine? Warum halten sie sich für berechtigt, Tausende zu töten? Was motiviert sie, woher kommt dieser Hass?

Als Anhänger der russisch-orthodoxen Kirche gehe ich davon aus, dass es tiefere Gründe dafür gibt. Ich habe schon mal gesagt, dass es als Fortsetzung des Bürgerkrieges gewertet werden kann. Das ist eine direkte Vernichtung des Volkes, dessen Land jetzt in Russland, Weißrussland und die Ukraine zerteilt wurde. De facto sind wir ein Volk. Die Aufteilung, diese Grenzen sind künstlich, wir sind ein Volk. Der Westen setzt die Vorstellungen durch, dass die Ukrainer und Weißrussen sich von den Russen unterscheiden. Die Russen dürfen weiterhin Russisch sprechen und zur russisch-orthodoxen Kirche gehören, aber die Ukrainer sollen anders sein. Wie auch immer, die Einstellung der Ukrainer zu uns ist genauso mit Verachtung und Hass erfüllt, wie es bei den Faschisten im Zweiten Weltkrieg der Fall war.

Was glauben Sie, warum ignoriert der Westen ganz offensichtliche Fakten, lässt keine zweite Meinung zu und benimmt sich voreingenommen? Als auf dem Maidan einige „Studenten“ geschlagen wurden, gab es einen Aufschrei in der ganzen Welt, und nun, wenn Menschen massenhaft mit Grad-Raketen getötet werden und lebendig verbrannt werden, sagt keiner etwas dazu, als ob es völlig in Ordnung sei.

Ich will nicht als Prophet auftreten, aber ich möchte die Einwohner von West-Europa warnen, dass jemand durch Manipulation die Bedingungen für den dritten Weltkrieg schafft. Gründe dafür gibt es reichlich und wenn wir anfangen, diese zu analysieren, sind wir auch in einem Jahr nicht fertig. Um das Wichtigste zu nennen, möchte ich Sie auf unvorstellbare Verschuldung der Vereinigten Staaten von Amerika aufmerksam machen. Es ist bekannt, dass Staaten in solchen Situationen des wirtschaftlichen Durcheinanders ihre Probleme durch Kriege gelöst haben. Ich will also unsere westlichen Nachbarn warnen, ohne dass ich hier als Prophet auftrete, dass ihre amerikanischen Freunde sie einfach ausnutzen, um Probleme in der Wirtschaft zu lösen. Man wird sie zuerst zur Konfrontation mit uns zwingen, dann zur Konfrontation mit Russland.

Wenn wir zur Situation in Donezk und Lugansk zurückkehren: Was für Waffen verwendet die ukrainische Armee gegen die Zivilbevölkerung? Womit werden Wohngebiete beschossen? Poroschenko hat ja behauptet, dass Artilleriebeschuss und Bombardierungen nicht zulässig sind, dass man nur leichte Waffen verwendet, damit die Zivilbevölkerung nicht zum Schaden kommt.

Von Grad-Verwendung habe ich schon erzählt. Der neueste Fall war der Beschuss des Dorfs Karpaty neben der Stadt Altschewsk. Einige Häuser am Rande wurden getroffen, auch ein Hirte, der auf die Herden aufpasste. Bekannt sind die Orte wie Schachtjorsk: Laut Flüchtlingen aus diesem Gebiet wurde diese Stadt komplett ruiniert. Man hat die Stadt mit Grad-Werfern und Haubitzen beschossen und zwar nicht mit konventionellen Geschossen, sondern mit Splittermunition, die kleine Metallteile enthält. Die Einwohner wussten nicht, was das ist und erzählten von Unmengen von kleinen Nägeln, die nach solchem Beschuss überall herumlagen.


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In unserem Gebiet wurden Debaltzewo und Perwomajsk mit Grad-Werfern  beschossen, auch Stachanow. Solche Waffen können nicht gezielt Soldaten der Separatisten, wie man uns nennt, töten. Sie schießen nicht auf uns Soldaten, die gegen den sogenannten Staat Ukraine mit Waffen kämpfen, sondern auf die Zivilbevölkerung: Frauen, Kinder und Ältere. Die anderen haben das Gebiet schon verlassen, es bleiben also nur diejenigen übrig, die nicht weg können. Gerade dieser Bevölkerungsteil wird mit unpräzisen Waffen beschossen, also mit Artillerie und den Raketenwerfern Grad, Uragan, Smertsch.

Ich habe gehört, dass auch ballistische Kurzstreckenrakten, wie die Toschka U, inzwischen verwendet werden. Sind es nur Gerüchte?

Nein, das ist tatsächlich so, es ist schon vorgekommen.

Das sind diese ballistischen Raketen, von denen die ukrainische Regierung behauptet, das sie diese gar nicht hat.

Ja, das sind taktische Raketen kurzer Reichweite, die ebenfalls als nicht präzise gelten. Sie vernichten absolut alles, Wohnhäuser, Menschen oder Viehherden in einem bestimmten Gebiet.


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Ist es schon vorgekommen, dass Städte oder Dörfer beschossen wurden, in denen es gar keine Aufständischen gab?

Aber selbstverständlich. In diesem Zusammenhang kann man wieder das Dorf Karpaty nennen, wo es gar keine Aufständischen gab, sondern nur friedliche Menschen, die auf ihre Viehherden aufpassten. Sowohl diese Herden als auch Häuser am Rande dieses Dorfes wurden beschossen. Dasselbe gilt auch für Dörfer entlang der Autobahn zwischen Altschewsk und Lugansk, z.B. Wesjolaja Tarasowka. Die Tatsache, dass es dort keine Aufständischen gab, hat sie von Luftangriffen und Artilleriebeschüssen nicht geschützt.

Was glauben Sie, warum beschießt man dann diese Orte, wo es klar ist, dass dort nur Zivilisten wohnen?

Sie haben wohl zwei Absichten: Erstens die Infrastruktur zerstören. Wenn man Wohnhäuser, Wasser- und Stromleitungen vernichtet, wird man dort kaum weiter leben können. Zweitens die Einschüchterung, die wohl für sie am wichtigsten ist. Es gab Informationen, dass unser Land durch Poroschenko und seine Clique an internationale Firmen verkauft wurde, die dort Schiefergas fördern werden. Diese Schiefergasförderung bedeutet den Tod für unser Land, schon alleine durch die Kontaminierung des Wassers.

Ist es vorgekommen, dass Busse mit Flüchtlingen, mit Kindern, mit Senioren absichtlich beschossen wurden?

Man hat mir von solchen Fällen erzählt. Das betrifft übrigens auch Privatautos. Das kommt insbesondere in den Grenzgebieten vor, z.B. in der Nähe von Iswarino und Gukowo. Wenn ukrainische Truppen dort näher kommen, fangen sie damit an. Wenn aber wir unsererseits ukrainische Einheiten in Bedrängnis bringen, laufen sie um ihr Leben nach Russland, statt sich uns zu ergeben. Es ist schade, dass Russland sie in die Ukraine und nicht zu uns deportiert. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn die Russen diese Menschen nicht an diese Kriegspartei zurückschicken würde, sondern an die Kriegspartei, die durch ihre Handlungen Schaden getragen hat, ausliefert.

Was glauben Sie, wird Ukraine in absehbaren Zeit versuchen, die Krim zurückzuerobern oder Transnistrien anzugreifen?

Selbstverständlich. Diese Kriegsmaschinerie, dieser Moloch fordert immer neue Opfer. Sie wollen inzwischen nicht nur die Krim, obwohl die Krim nie zur Ukraine gehörte und ihr von Nikita Chruschtschow geschenkt wurde, sondern auch Belgorod, Voronesch, Rostow und andere Gebiete. Das alles halten sie für ukrainisches Land. Sie erheben auch Ansprüche auf Teile von Weißrussland. Lukaschenko ist ihrem Verhalten gegenüber nachsichtig, obwohl sie es durchaus ernst meinen. Ich würde mit solchen Menschen keine Spielchen spielen. Nachdem sie Blut geleckt haben, nachdem sie vehemente Unterstützung der westlichen Länder gespürt haben, warum dann nicht noch etwas an sich reißen? Sie irren sich aber. Es gibt nicht nur ihren Willen, sondern auch den Willen Gottes. Wir sind Russen und Gott ist mit uns, wir stehen für Wahrheit. Wie Alexander Newsky sagte: Gott ist nicht in der Stärke, sondern in der Wahrheit. Hinter uns ist das russische Volk und wir werden zweifellos siegen. Materielles wird in solchen Fällen zweitrangig. Man kann unvorstellbare Dinge in Zukunft erwarten und Einiges habe ich inzwischen auch selbst erlebt.

Wo schöpfen Sie den Optimismus? Sie sagen doch selbst, dass die ukrainische Regierung über unbegrenzte Ressourcen verfügt und uneingeschränkte Unterstützung des Westens besitzt. Die Aufständischen verfügen dagegen über so gut wie keine Kampftechnik und auch die Gesamtzahl der Aufständischen ist sehr beschränkt. Wie kann man so siegessicher sein?

Wenn man die Zahl der Getöteten vergleicht, beträgt das Verhältnis etwa ein Aufständischer zu mindestens 30 ukrainischen Soldaten. Leider gibt es darunter viele russische Leute, die durch faschistische Propaganda betäubt wurden. Ich würde die Gesamtlage so einschätzen: Subjektive Aspekte werden oft von den Menschen, die in dieser Welt leben, im Materialismus stark verankert sind, ignoriert. Sie glauben, dass man mit modernsten Waffen und Unmengen von Soldaten beliebige Ziele erreichen kann. Nein. Auch Unmengen von Soldaten können unerwarteterweise einfach mit aller Ausrüstung fliehen. Wir hatten solche Fälle, dass ukrainische Gruppierungen nach unseren Beschüssen sich unter weißen Flaggen ergaben. Das kommt immer wieder vor und zeigt, dass diejenigen siegen, auf dessen Seite die Wahrheit ist und nicht die Stärke.

Wie würden Sie die ukrainischen Kriegsgefangenen beschreiben: Sind es gehirngewaschene, eingeschüchterte oder deologisch überzeugte Menschen?

Leider gibt es tatsächlich drei Gruppen: Gehirngewaschene, Eingeschüchterte und Ideologisierte, d.h. Menschen mit falschen Überzeugungen wie „Ukraine über alles“. Über allem kann nur Gott sein und nicht die Ukraine. Über allem kann Liebe zu Gott, zur Familie, zu Kindern, zur Frau, zu seinem Volk sein; und nicht der ukrainische Mythos oder die „Himmlische Hundertschaft“. Diese „Himmlische Hundertschaft“ brennt jetzt in der Hölle. Menschen, die am Maidan teilgenommen haben, waren gehirngewaschen und unter Drogen gesetzt.

Gibt es Beispiele?

Ja, es gibt sie. Ich habe selbst mit Kriegsgefangenen gesprochen, deren körperlicher Zustand in der Gefangenschaft auf Entzugssymptome hinwies. Erst nach 10-14 Tagen fühlten sie sich wieder besser. Es werden wohl den Getränken oder Lebensmitteln irgendwelche Beruhigungsmittel beigemischt. Des Weiteren haben Kriegsgefangene tatsächlich berichtet, dass sie eingeschüchtert wurden. Einer erzählte: „Was sollte ich tun? Sie kamen in meine Wohnung und sagten, dass ich mitkommen muss, anderenfalls werde man meinen Vater und Brüder erschießen. Also bin ich mitgegangen“. Einige sind Opfer der Propaganda geworden und glauben, dass sie gegen die Russen kämpfen.

Wir zeigten solchen Kriegsgefangenen unsere Pässe mit Adressen in Lugansk. Wir stammen tatsächlich aus dieser Region. Das versetzte sie ins Staunen, weil ihre Kommandeure behaupteten, dass der Krieg gegen die Russen geführt wird. Es gibt also Menschen, die entweder mit Drogen oder mit westlichen und ukrainischen Massenmedien betäubt wurden. Sie werden auch versuchen, Belgorod, Woronesch oder Rostow anzugreifen, wenn ein Befehl kommt.

Gibt es viele solcher überzeugter Faschisten?

Nein, gar nicht. Etwa ein oder zwei Überzeugte gegen zehn Eingeschüchterte und Betrogene.

Wie soll ich Sie präsentieren: ein Aufständischer, ein russisch-orthodoxer Aufständischer oder doch irgendwie anders?

Ein russisch-orthodoxer Aufständischer, der bewusst Waffen in die Hände genommen hat, um seine Religion und das Land seiner Vorfahren zu verteidigen, um das eigene Leben und das Leben seiner Familie, seiner Kinder und Enkelkinder zu schützen.


Video: Ansprache eines ostukrainischen Antifaschisten an die Völker Europas

Note: Übersetzung: Fedot Panteleev    Untertitel: Fedot Panteleev


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