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Die Taktik „weder Krieg noch Frieden“ ist mörderisch für die Donbass-Republiken

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Experten uneinig, ob die derzeitige Eskalation in Donbass in einen grossen Krieg mündet

Die Taktik „weder Krieg noch Frieden“ ist mörderisch für die Donbass-Republiken

übersetzt von MATUTINSGROUP

Donezk, 22 August 2015 – 01:23 — REGNUM.-    In den letzten Wochen verschärfte sich die Lage an der Front dermaßen, dass die Militärexperten in ihren Prognosen den Countdown der Tage bis zum Beginn grosser Kampfhandlungen vornahmen. Aber bisher mündete die Konzentrierung der ukrainischen Truppen unmittelbar an der Frontlinie, ihr ständiger Artilleriebeschuss auf die Städte der Volksrepublik Donezk, der die ohnehin gigantischen Opferzahlen für die Zivilbevölkerung ständig weiter vergrössert, ihre Angriffe auf die Stellungen der Verteidiger der Volksrepubliken nicht in die vermutete ukrainische Offensive.

Die Zivilbevölkerung vor Ort hat in die letzten Wochen ebenfalls in einer gespannten Erwartung gelebt. Man freute sich, wenn man die nächste Nacht noch erleben konnte. „Jedenfalls ist die Erwartung des Todes bekanntlich schlimmer als der Tod selbst. Deshalb sieht man in den Mienen der Menschen vor allem keine Freude mehr. Alle warten nur noch ab, wann dieser Zustand enden wird“, schrieb Jewgenja auf ihrer Facebookseite. Und nach dem allnächtlichen Artilleriebeschuss begegnete man bei den Einwohnern der Städte der Republiken in den sozialen Netzwerken solchen Kommentaren wie „Ich bin glücklich, dass ich dieser Nacht überlebt habe“ und „Ich will nicht, dass wieder so ein Abend beginnt“.

Diesbezüglich ist die von der Ukraine gewählte Zermürbungstaktik gegenüber den Volksrepubliken mit Zurückschrecken vor offener Feldschlacht offenbar ganz schlüssig. Laut dem politischen Experten Michail Remisow fürchtet die Ukraine die Aufnahme umfassender militärischer Handlungen, weil dies eine direkte militärische Reaktion Russlands auslösen könnte.

„Bewusst wurde die Taktik ‚weder Frieden noch Krieg‘ gewählt. Die Streitkräfte der Ukraine werden ständig ausgetauscht, weil die Angriffe heutzutage ein Spiel mit nur dem einen Ziel sind: Kommt es zum Stellungskrieg, dann ist dies kein symmetrisches Artillerieduell. Die Verluste hinsichtlich Zerstörungen und an Menschen liegen hauptsächlich auf der Seite der selbstproklamierten Republiken. Aber sie machen gerade mal so viel aus, dass es nicht nach einer breit angelegten Offensivhandlung aussieht, welche eine Reaktion Russlands hervorrufen könnte“, sagte Remisow gegenüber dem Korrespondent von REGNUM.

Ihm zufolge legt diese Taktik die Entwicklung der Republiken lahm. Sie erhöht den Preis ihres Unterhalts für Russland. Sie demoralisiert die Bevölkerung. Sie verhindert die Rückführung der Menschen in den Donbass. „Mit dem Einsatz einer solchen Taktik lösen sie eine Reihe von Problemen. Die Situation eines ‚weder Frieden noch Krieg‘ funktioniert in Kiew und in Washington. Aber sie ist schrecklich für die selbstproklamierten Republiken und nachteilig für Moskau“, meint dieser Experte.

Eine Überleitung der Kampfhandlungen in eine aktive Phase ist laut dem Herausgeber des Magazins „Nationale Verteidigung“, Igor Korotschenko, gleichzusetzen mit einem Fallenlassen der Masken für Kiew, wogegen Petro Poroschenko sein Ansehen erhalten will.

„Gerade deshalb wird die Taktik des Beschusses und der langsamen Zermürbung gegenüber den Volksrepubliken Donezk und Lugansk, der Vernichtung der Menschen, des Schürens von Panik verwendet. Dies ist eine üble Methode, die Minsker Vereinbarungen zu sabotieren. Vor diesem Hintergrund ist das Schweigen Deutschlands und Frankreichs unverständlich. Sie sollen die Verantwortung auch für das Verhalten Kiews wahrnehmen. Aber weder Paris noch Berlin unternehmen aktive Bemühungen, Poroschenko zur Vernunft zu bringen. Das ist ein sehr schlechtes Zeichen, dass sie nicht verstehen können, dass diese Situation nicht ewig andauern wird, sondern letzten Endes zur Wiederaufnahme umfassender Kampfhandlungen mit allen für Europa negativen Folgen führt“, erklärte Korotschenko.

Er meint, dass unter den derzeitigen Umständen die Armeen der Volksrepubliken Donezk und Lugansk einen Kampf der Gegenangriffe führen müssen. „Wer mit seinem Artilleriebeschuss die zivilen Städte bombardiert, sollte das entsprechende Kaliber auf seine Stellungen geschossen bekommen, wenn schon die OSZE ihre konkreten Pflichten nicht wahrzunehmen wünscht und die Verstöße gegen den Minsker Prozesses seitens der Ukraine nicht aufzeichnet“, sagte Korotschenko.

Das Kiewer Regime geht seinen Worten nach über die gesetzten Bedingungen hinaus. Wenn „niemand es tadelt“, setzt es alle seine Schranken immer mehr und immer weiter weg. Korotschenko ist überzeugt, dass man „Poroschenko zügeln muss, der die Minsker Vereinbarungen unterzeichnete. Man muss auf allen diplomatischen Ebenen das Problem vorbringen, dass die Ukraine den Minsker Prozess abbricht, dass sie der Hauptschuldige diesbezüglich ist“, bekräftigte Korotschenko.

Von offensiven Handlungen hält die Streitkräfte der Ukraine auch ab, dass diesmal ein Misserfolg zu katastrophalen Folgen für sie führen kann. Wie der Publizist und Militärexperte Wladislaw Schurygin bemerkte, „kennt die Ukraine den Preis eines Scheiterns oder eines Misserfolges viel zu gut“.

„Einerseits kann die Ukraine nirgendwohin ausweichen. Sie braucht die nächste Stufe der Eskalation, um ihre Wirtschaftsprobleme zu überleben. Sie braucht jetzt Aufschübe bei ihren Krediten und hat neue Kredite nötig. Und sie kann sie von ihren Schutzherren nur mit einer weiteren Eskalation bekommen. Andererseits ist sich die ukrainische Führung bestens bewusst, dass es mit einem Minsk-3 nichts mehr werden wird. Erhält die Ukraine keine gewichtige Militärhilfe, die ihr einen Durchbruch im Fall einer neuen Eskalation ermöglichen wird, dann steht schon die Frage der Existenz der Ukraine an. Deshalb läuft natürlich ein grosses internes Geschacher darüber, ob die grosse Offensive gestartet werden soll oder nicht“, erklärte Schurygin.

Er widmete auch dem taktischen Punkt Aufmerksamkeit, der mit dem Anlass für einen Kriegsausbruch verbunden ist. „Das muss etwas Dermaßenes in den Augen der Weltgemeinschaft sein, dass die Ukraine mit weisser Weste da steht. Deshalb dieser langwierige und schleichende Verlauf“, sagte der Experte.

Laut Schurygin wird vor Ende September das grosse Blutbad angerichtet werden, weil danach keine Eskalation mehr stattfinden kann, weil die Ukraine dann nicht mehr bereit ist, sich auf weitergehende Kampfhandlungen einzulassen, denn sie kann nur schwerlich so lange ihre Truppen in voller Kampfbereitschaft halten.

In der Volksrepublik Donezk erwartet man unterdessen noch immer die Eskalation. Aber die dergestalt in die Länge gezogene Vorbereitung auf umfassende militärische Handlungen erklärt die Tatsache, dass die Streitkräfte der Ukraine ihre Einheiten nicht vollständig zusammenziehen. Wie der Stellvertreter des Stabschefs des Sonderbataillons für besondere Aufgaben der Armee der Volksrepublik Donezk, Alexander Matjuschin (Deckname „Warjag“) hinsichtlich der Offensive der Streitkräfte der Ukraine mitgeteilt hat, ist dies eine „Frage der Zeit. Solange sie beschießen, tasten sie auch unsere Verteidigung ab, führen sie die militärische Aufklärung durch, um zu wissen, wo zuzuschlagen ist, damit es schmerzt“, sagte „Warjag“.

Matjuschin äusserte vorauszusagen, an welchem Frontabschnitt die Offensive eingeleitet werden wird, ist ziemlich kompliziert, da es eine Menge an Varianten dafür gibt. Informationslöcher bei den Angriffsplanungen der Streitkräfte der Ukraine sagen etwas über die Phantasie von Bloggern aus oder bekunden das Streben nach Irreführung der Armee Neurusslands. „Wir alle wissen, dass solche Dokumente nicht in das Internet geraten können. Es ist schwerlich vorstellbar, dass 1943 die Zeitung ‚Prawda‘ die operativen Karten der deutschen Truppen hätte veröffentlichen können, als sich die deutschen Truppen auf einen Durchbruch im Kursker Bogen vorbereiteten. Das ist eher eine Frucht der kranken Vorstellung von Bloggern, die sich da selbst etwas ausgedacht haben, oder speziell der ukrainischen Armee, um uns zu desinformieren, vielleicht auch in dieselbe Richtung vorzustoßen, dies jedoch von anderen Ausgangsstellungen her zu tun“, meinte „Warjag“.

Er erklärte die Variabilität des Handlungsspielraums des Gegners, schon weil die Frontlinie keine feste Verteidigungslinie umfasst. „Die Verteidigungslinie wird jetzt aus befestigten Stellungen geformt. Aber der Krieg verläuft über die Frontlinie hinaus mit Umgehungen und Vorstößen. Beispielsweise gibt es ein befestigtes Dorf, aber andererseits kann es umgangen werden, um das Hinterland ‚besichtigen‘ zu gehen. Grundsätzlich arbeiten derzeit die Diversions- und Aufklärungsgruppen dergestalt. In Hochrisikogebieten, beispielsweise Gorlowka, gibt es mehr oder weniger eine ständig sich bewegende Front, aber auch sie hat kleine Löcher in unserer Verteidigung und in ihrer Verteidigung. Daher, sofern sie im Süden konzentriert sind, kann von Süden her Richtung Donezk losgeschlagen werden, aber sie können auch Richtung Grenze vorstossen, um zur Situation vor einem Jahr zurückzukehren. So auch im Norden,- möglich ist ein Angriff auf Gorlowka, aber vielleicht auch auf Debalzewo, um Gorlowka einzukesseln und uns in einen Kessel zu treiben. Da gibt es unvorhersagbare Varianten.“

Laut „Warjag“ trägt zur gegenwärtigen Erschwerung die vom Gegner regelmäßig durchgeführte militärische Aufklärung bei. „Plötzlich stehen wir irgendwo,- aber gibt es dort noch die neue Stellung von ihnen? Beim Angriff nicht wissend, wo sich ihre Stellung befindet, kann unsereins unter ein dermaßenes Feuer geraten lassen – selbst 10 Menschen können ein ganzes Bataillon zermalmen. So war es in Uglegorsk. Als wir an der Frontlinie stürmten, funktionierte leider unsere Artillerie schlecht. Im Endeffekt war die Brigade ‚Pjatnaschka‘ heftigem Beschuß mit schweren Uragan-Raketen ausgesetzt. Hätte unser 5. Bataillon sich nicht bewegt, welches ins Stadtzentrum vorstiess und den Bahnhof einnahm, dann würden wir Uglegorsk ziemlich lange und mit großen Verlusten gestürmt haben“, hob er hervor.

Alexander Matjuschin bezweifelt nicht, dass die Offensive der Streitkräfte der Ukraine einsetzen wird. Darüber hinaus sagt er voraus, dass dies an diesem Wochenende oder sehr demnächst oder etwas später am Ende der kommenden Woche geschehen könnte. Ihm zufolge hat sich die angespannteste Situation im Gebiet von Marinka entwickelt, wo das Bataillon „Asow“ steht, welches dort eingesetzt werden dürfte, wo die Offensive vorgesehen ist.

Quelle: http://regnum.ru/news/polit/1955709.html

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