Artikel
Expertenmeinung, Farbenrevolution, Faschismus, Igor Strelkov, Interviews, Kommentare & Analysen, Korruption, Kriegsverbrechen, Krim, Lagebericht, Politische Gespräche, Putin, Russischer Frühling, Syrien/Russland, Völkermord in der Ukraine

Treffen mit Igor Strelkow in Sankt Petersburg am 07. April 2016

680_56e8212a814e1

Treffen mit Igor Strelkow in Sankt Petersburg am 07. April 2016

von Andrjucha Tscherwonjez (russischer Blogger)
übersetzt von MATUTINSGROUP

Livejournal, 15. April 2016 – 19:01 Uhr.-  

53:53

Frage: Zwei Fragen.

Hier die erste Frage: Ihre Haltung zum derzeitigen Präsident unter Berücksichtigung des Umstands, daß solche Leute wie Wladislaw Jurjewitsch (Surkow – Matutinsgroup) in denselben Funktionen wie bisher verblieben sind.

Hier die zweite Frage: Sie sagten heute, daß das Komitee im Fall eines Zusammenbruchs des Regimes die Rolle einer Feuerwehr spielen wird. Wird heutzutage verstanden, was das Komitee spezifisch in dieser Situation tun würde?

54:39

Igor Strelkow: Zur ersten Frage. Ich werde dies hier freundlich zum Ausdruck bringen und bemüht sein darzustellen, was das herrschende Regime für uns jetzt repräsentiert. Darüber hinaus meine ich, daß für alle klar ist, daß sich die Situation im wesentlichen seit 1991 nicht verändert hat. Was heißt, daß bei uns keinerlei Revolution durch Wladimir Wladimirowitsch Putins Machtergreifung mit der Übertragung der Macht an ihn erfolgte.

Ich meine, daß dies eine Sache ist, die alle verstehen. Praktisch blieben alle Oligarchen auf ihren Plätzen. Möglicherweise stieg jemand in die ersten Reihen auf, jemand anderes stieg in die zweite Reihe ab, gab es eine neue Kategorie von Oligarchen, denen Wladimir Wladimirowitsch (Putin – MATUTINSGROUP) persönlich als seinen Vertrauenspersonen zu Geld und sehr viel Geld verhalf. Es gab eine neue Kategorie von Managern.

Hier steht die Zentralregierung Russlands jetzt nach meiner Meinung. (Igor Strelkow zeichnet auf eine Tafel.)
424069_original
55:42

Im Mittelpunkt dieses Kreises ist der Kern. Faktisch unser Zar, natürlich nicht öffentlich so genannt. Aber in Russland ist der erste Mann im Staat immer der Zar, egal ob Wladimir Wladimirowitsch Putin dies sein will oder nicht will und ablehnt.

Und dies (er führt konzentrische Kreise vor, schraffiert den Raum zwischen den Kreisen) ist die Schale jener Nuss, die er sich selbst aufgebaut hat. Das ist das nicht ausgetauschte Regierungspersonal, welches ihn in all den fünfzehn Jahren seiner Regierungstätigkeit begleitet hat.

Wobei er diesen Teil dieses Regierungspersonals als Erbe bekam, jenen Teil selbst einbrachte. Dieses Regierungspersonal existiert 15 Jahre lang. Es wurde wie die Karten vor dem Kartenspiel gemischt zu einem Haufen. Niemand fiel da raus, niemand kam von außen her da rein.

Das Regierungspersonal hat sich zu einer besonderen Herrengesellschaft formiert, die im Grunde gemeinsame gewöhnliche geschäftliche Interessen hat, die für diese Herrengesellschaft wichtiger als alles andere sind. Die Aufgabe besteht darin, an der Macht zu bleiben.

57:00

Wladimir Wladimirowitsch Putin ist bei uns wirklich der Zar, der in bedeutendem Ausmaß herrscht, aber er lenkt nicht. Um zu verstehen, wie Wladimir Wladimirowitsch das Land verwaltet, muss man nicht Igor Iwanowitsch Strelkow aufmerksam und nachdenklich zuhören, sondern sich den Film von Wladimir Solowjew, wo er Schapiro ist, mit dem Titel „Der Präsident“ anschauen. Wer diesen Film nicht sah, dem empfehle ich und rate ich sehr, ihn sich anzuschauen und darüber nachzudenken, was dort ausgesagt worden ist. Lassen Sie uns dies einfach analysieren.

Wladimir Wladimirowitsch Putin hat während der Präsidentenschaft bei uns gelernt, Klavier zu spielen. Er hat selbständig Englisch studiert. Ich erinnere mich nicht mehr, wie oft, ob zweimal oder dreimal pro Woche, er Hockey spielt. Jeden Tag schwimmt er eineinhalb bis zwei Stunden. Er beschäftigt sich mit dem Reitsport. Darüber hinaus wissen wir, dass er regelmäßig in Tiefseeausrüstung taucht, mit weißen Gleitern fliegt, Amphoren aufsucht. Wir sehen, welche Zahl bei ihm die internationalen Treffen, die Reisen, die Protokollempfänge ausmachen …

Ich bin der Leiter einer kleinen Organisation, die sehr klein ist. Nicht des Komitees 25. Januar, sondern der Bewegung „Neurussland“. Aber stelle ich mir vor, dass ich die Möglichkeit hätte, mich mit all jenem zu beschäftigen, womit sich der Präsident beschäftigt, hätte ich überhaupt keine Zeit mehr, um den Geschäften meiner Organisation nachzugehen.

Der Präsident kommt nicht dazu, sich mit etwas zu beschäftigen. Er hat einfach für nichts Zeit. Dementsprechend ist dies auch keine kritische Situation.

Sagen wir mal, er beschäftigt sich mit der Außenpolitik. Auf einem Knie schreibt er die Vereinbarungen von Minsk (natürlich in Anführungszeichen, sage ich). Aber er kann das Land nur real regieren, wenn sich das eingesetzte Regierungspersonal bei ihm befindet, an welches er einen Teil der Befugnisse delegiert (Igor Strelkow zeichnet die radialen Zeiger zum schraffierten Ring, ganz klar in eng eingerahmten Grenzen. Igor Strelkow zeichnet)
424221_original
59:02

Er delegierte an Wladislaw Jurjewitsch Surkow die GUS und die Ukraine. Speziell und ausschließlich befaßt sich damit nur Wladislaw Jurjewitsch.

Er delegierte die Innenpolitik an Herrn Wolodin. Was heißt, nur Herr Wolodin beschäftigt sich damit.

Er delegierte „Rosneft“ an Herrn Setschin. Was bedeutet, nur Setschin befaßt sich mit „Rosneft“.

Sie bewegen sich nicht aufeinander zu, sie bewegen sich klar in den Zuständigkeitsbereichen (Strelkow zeichnet).

Und da sie nicht abgelöst wurden, sind sie allein nur von Putin befugt und ihm rechenschaftspflichtig in den Fragen, die mit ihren Zuständigkeitsbereichen verbunden sind.

Soweit mir bekannt ist, blockiert Putin sehr hart Versuche eines beliebigen Zuständigen eines anderen Sektors, sich in die Tätigkeit des Nachbarn, eines ebensolchen Mitglieds dieser Herrengesellschaft einzumischen.

Dies bedeutet, daß bei einer bestimmten Ausrichtung der Interessen jenes einen Menschen dieser eine Mensch, sofern er nicht ausgetauscht wird, immer die Möglichkeit hat, daß ausschließlich er den Präsidenten so informiert, wie es für ihn vorteilhaft ist.

1:00:07

In diesem Fall lege ich nicht dar, dass der Zar gut ist, die Bojaren schlecht sind. Ich lege einfach das System dar, wie es arbeitet. Wie es meiner Meinung nach arbeitet. Weil ich dies so den mir vorliegenden Informationen gemäß sehe.

Nach meinen Informationen nutzt Putin das Internet zumindest bis in die jüngste Vergangenheit überhaupt nicht. Er arbeitet auf die alte Art, was heißt, daß die Väter ihm die verschiedenen Probleme überbringen, er sie aus den Schriftstücken kennenlernt. Also im Grunde an der Grenze der Nulljahre, seit er aus der Funktion des Chefs des FSB ausschied, wo sie seinerzeit dort auch so rapportierten und jetzt weiterhin so ihre Berichte erstatten. Dies zumindest bis 2013 Jahr, wie ich mich erinnere.

Das heißt, es gibt keinen Kanal eines alternativen Erhaltens von Informationen von ausserhalb der Grenzen dieses Kerns (Igor Strelkow zeigt auf die Zeichnung). Sie übergeben ihm alles von diesem Kreis. Außerhalb dieses Kreises gibt es einfach keinen alternativen Kanal zu ihm.

Reist er in die Regionen, stellen sie ihm als „das Volk“ im voraus vorbereitete Personen vor. Aus einem einfachen Grund, denn er macht keine unerwarteten Inspektionen. Alle seine Reisen sind im voraus bekannt. Und das Föderale Amt für Sicherheit (FSB) kann mit allen Interessenten gemeinsam direkt jene Menschen und konkret jene Fragen auswählen, die eine bestimmte Vorstellung des Präsidenten darüber nicht beschädigen werden, dass außerhalb dieses Rings alles gut ist. (Igor Strelkow zeichnet wieder die engen Rahmenkreise.)

Es ist vollkommen möglich, dass Wladimir Wladimirowitsch die Situation, viel mehr die Nuancen der Situation bei einer ganzen Reihe von Fragen wirklich nicht erfaßt. Anders kann ich mir viele Sachen nicht erklären, bei denen für jeden beliebigen Analytiker elementar sichtbar ist, daß Wladimir Wladimirowitsch nicht über die breite Palette an Informationen verfügt.

Zum Beispiel hinsichtlich der Unmöglichkeit, den Krieg in Syrien zu gewinnen, wo dementsprechend sinnvoll war, gar nicht erst überhaupt dort einzusteigen. Das heißt, diese Entscheidung kann sehr schwerwiegende Folgen haben und wird sie haben. Solche Fragen gibt es in Wirklichkeit viele.

Dasselbe gilt für die Frage der Krim. Dasselbe gilt für die Frage des Donbass. Wo gesagt wird, daß dies unklar wäre: ob sie kamen oder nicht kamen oder mit einem Bein aufgestanden sind. Oder wir springen inmitten des Sumpfes auf die kleinen Erdhaufen und versinken. Bei mir ist genau dies gerade das, was ich mir vorstelle.

1:02:28

Das heißt, daß eine nicht ausgetauschte Herrengesellschaft existiert. Er ist der Mensch, der sich an diese Menschen wirklich gewöhnt hat. Und hat er seine Zuständigkeiten einmal wegdelegiert an sie, dann tauscht er sie nicht aus.

Einerseits ist dies gut. Wie Sie sich erinnern, ruinierte den Zar 1917 das Minister-Bockspringen, als sich die Minister jedes Halbjahr bis Jahr ablösten.

Aber andererseits schufen sich alle diese Zuständigkeitsbereiche jeder für sich ihre eigenen Pyramiden, sind diese Menschen insgesamt alle nicht ersetzt worden (Igor Strelkow setzt auf der Zeichnung die radialen Linien der Sektoren fort), sprengten sie die gesellschaftlichen Eliten und steuerten sie faktisch das Land in einen derartigen Neo-Feudalismus, daß das System vielfältig miteinander verknüpfter Vasallen-Eliten existiert (Igor Strelkow zeichnet einen größeren Kreis mit Radius).

Egal, wer du bist. Egal, ob du effektiv bist. Egal, wieviel du gestohlen oder ob du überhaupt nichts gestohlen hast. Hauptsache, bei all dem warst du loyal gegenüber deinem Gönner. Und jener Gönner wird dem Präsidenten gegenüber loyal sein.

Ein derartiges Elitensystem hat Putin im Land aufgebaut. Feudal. Wir sind zum Feudalismus herabgesunken, allerdings nicht zur Autokratie. Wobei sich alle Erzählungen, dass sich bei uns gewisse Stände entwickeln werden, alles aus dieser Serie ist. Das heißt der Versuch, in irgendeinem Grad die neue voraussehbare Gesellschaftsformation zu legitimieren, in der die pseudo-feudalen Traditionen zurückkehren werden. Ich betone – pseudo – weil es da weder nach Ehre, noch nach Gewissen, weder nach Traditionen der Familie, noch nach der jahrhunderealten Kultur jener Stände riecht, die bei uns bis zum Jahr 1917 vorhanden gewesen waren.

1:04:05

Deshalb will ich dies mal so sagen: den Präsidenten, konkret in Beantwortung der gestellten Frage, behandle ich wie eine Geisel. Und ich verstehe ausgezeichnet, dass der Westen ihm den Schwarzen Peter zuschob. Und ihm ihn ständig zuschiebt.

Wenn aber der Präsident dem Westen nicht den Schwarzen Peter zuschieben kann? Können wir dann nicht vereinbaren, daß es der Grüne Peter sein kann? Vielleicht habe ich den Rubikon nicht überschritten? Das war irgendein anderer kleiner Fluß bei der Krim, na und? Los, lassen Sie uns was vereinbaren!

Diesbezüglich? Nein, Wladimir Wladimirowitsch, das ist Ihr Schwarzer Peter. Wir werden Ihnen die Krim nicht verzeihen. Und auch den Donbass nicht.

Übergeben Sie den Donbass! Übergeben Sie die Krim! Und überhaupt, übergeben Sie alles!

Gerade jene Fragen, die eine bestimmte Vorstellung des Präsidenten darüber nicht beschädigen, dass außerhalb dieses Rings alles gut ist.
(Igor Strelkow verstärkt auf der Zeichnung die Rahmengrenzen um die Kreise.)

Er ist eine Geisel. Und vom Westen ist er bereits verurteilt. Weil sie ihn ganz klar auf dem Weg vor sich her treiben, auf welchen sie Milosevic zuvor getrieben hatten.

Aber eines nach dem anderen. In Donezk hat dasselbe begonnen wie in Bosnien 1990. Wohin Milosevic Truppen auch Truppen schickte, wo er auch rettete.

Aber anschließend so ganz schleichend, verhalten, Schritt für Schritt wich er zurück und wich so lange zurück, bis er in Den Haag auch noch verurteilt wurde. Erst gab er die Krajna auf. Dann gab er Bosnien auf. Dann gab er das Serbische Kosovo auf. Dann haben sie gegen ihn die Farbenrevolution veranstaltet, als alle im Lande aufgehört hatten, ihn zu stützen, wo dann die Liberalen und die Patrioten in einem Einheitssystem vereint ihn stürzten.

Bekanntlich starb er völlig unerwartet in Den Haag an einem Herzanfall, kurz bevor er vor Journalisten ganz öffentlich Beweise anführen wollte. Offenbar wollte er zuviel davon verlauten lassen. Deshalb haben sie Milosevic eben ausgeschaltet.

Putin ist eine Geisel.

1:05:46

Und ein Teil seines Umfelds ist auch eine Geisel. Igor Iwanowitsch Setschin ist eine Geisel. Ich denke, dass man noch etwas mehr Menschen dort Geiseln nennen kann. Die faktisch, wenn sie Putin stürzen werden, zumindest noch schneller raffen werden. Möglicherweise fällt dann jemand zufällig aus dem Fenster oder geht in den Freitod, getroffen von zwei Schüssen in den Kopf. Denn so spielt sich dies bei uns ab.

Und es gibt denjenigen Teil des putinschen Regierungspersonals, in dem sich der hier genannte Wladislaw Jurejewitsch aufhält. Das ist Aslanbek Andarbekowitsch Dudajew-Surkow, sind diejenigen, die in Wirklichkeit bei einem Verlust Putins in diesem Schema nicht sehr viel verlieren würden. Weil sie mit der westlichen Oligarchie eng verbunden sind, sind sie schon in ihr aufgegangen.

Und vom Wesen her beabsichtigt unsere Oligarchie alles zu raffen. Außer jenen, die Putin direkt an die Macht gebracht hat und zu Oligarchen machte, aber teils selbst sie. Entweder wollen sie stark expandieren. Oder sich wenigstens den Löwenanteil einstecken.

Konkret sie werden den Staatsstreich machen. Als man uns das Bild vorführte, wie in Kiew Janukowitsch von einer Menge aus Tausend Idioten mit Farben und abgeschnittenen Blumen gestürzt wurde, die berauscht und betrunken von der UNA UNSО und den übrigen Organisationen waren – verzeihen Sie, das war eine Theatervorstellung.

Janukowitsch wurde nicht von betrunkenen Bandera-Anhängern mit ihren Ketten gestürzt. Janukowitsch wurde von seinem eigenen Umfeld gestürzt.

Der Maidan war eine große Theatervorstellung, die angesagt worden war, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass sie diese große Revolution der Würde gemacht hat. Damit denjenigen zu legitimieren, der nach dem Sturz von Janukowitsch an die Macht gekommen ist.

Das Meiste davon wird auch hier ablaufen. Eins zu eins. In diesem oder jenem Maß.

1:07:49

Natürlich wird sich die Geschichte niemals eins zu eins wiederholen. Zwei Geschosse schlagen nicht in einen Trichter ein. Aber dennoch wird es eine Erschütterung geben. Und das Meiste wird es geben.

Deshalb verhalten wir uns gegenüber Putin wie gegenüber einem möglichen potentiellen Verbündeten. Möge er verstehen, dass seine einzige Hoffnung nicht der verbale, sondern der reale Patriotismus ist. Wenn er …

Bei ihm ändern sich die Fahnen: ist er jener Liberale, dann sind sie wie die Chamäleons. Das Chamäleon bleibt ein und dasselbe Tier. Bis 1991 waren sie alle Kommunisten. Anschließend in den 1990er Jahren waren sie Liberale. Danach waren sie Staatsmänner. Jetzt sind sie Patrioten.

Und manchmal höre ich von einige Auftritten von Wjatscheslaw Jurjewitsch persönlich, übergibt man mir manchmal seine Phrasen. Entschuldigen Sie, im Vergleich zu ihm bin ich überhaupt kein Patriot und weiß überhaupt nichts.

Es gibt so einen alten und sehr guten Witz. Ich werde ihn erzählen, um die Lage zu entspannen.

Im Zug fahren ein Ukrainer und ein Neger. Der Neger greift sich die Zeitung und beginnt weinend zu lesen. Der Ukrainer schaut auf ihn – auf die Zeitung, auf ihn – auf die Zeitung. Nach einer Weile erträgt er dies nicht länger und berührt ihn am Knie:

— Jammerlappen, wer bist Du?
— Ich bin der ukrainische Gebirgsbursche Mykola.
— Hmm, und wer bin ich dann?
— Ich weiß nicht, ob du ein Jude oder ein Russe bist.

1:09:17

Etwa so, als ob man manchmal unseren Patrioten zuhört, die vor zwanzig Jahren Kommunisten waren, dann Liberale waren, was einfach ist. … Ich werde nachdenken. Und wer bin ich dann? Ich weiß es nicht …

So auch bei Putin. Stützt er sich nicht auf die wirklichen Patrioten, wird er beim Regierungspersonal nicht jene Leute rauswerfen, die ihn, und Gott sei mit ihm, stürzen können, dann kann dies doch auch das Land zusammenbrechen lassen… Und darin besteht das Problem. Deshalb die Enttäuschung.

Wir haben geringe und immer weniger Hoffnungen, dass Putin das Land nicht zusammen mit sich zusammenbrechen lassen wird. Denn dieses Regierungspersonal ändert sich nicht, das ist eine Gesellschaft, eine Corporation. Er empfindet sich auch als Mitglied dieser Gesellschaft und verteidigt ihre Interessen. Sie stehen für ihn höher, als die für das Land sich daraus ergebende ganze Reihe von Fragen danach, dass er … Deshalb bereiten wir uns darauf vor und versuchen zugleich, ein alternatives Lager zu schaffen.

Wohin, entschuldigen Sie, sollen alle im Falle eines solchen Zusammenbruchs wie in der Ukraine laufen? In der Ukraine gab es Patrioten. Es gab die ganz normalen Menschen. Sie konnten sich nirgendwo zusammenschließen.

Sie wurden vor alternativlose Optionen gestellt. Entweder Maidan und dort herumhüpfen, oder man sprang nicht und war ein Russe oder mit Janukowitsch. Und, wem gefiel wohl jener bestechliche Mensch Janukowitsch, der die ganze Ukraine verkaufte, stahl oder schob den Vettern alles zu. Für die Maidan-Teilnehmer war es auch nicht leicht, Versammlungsplätze zu finden.

1:07:49

Wir versuchen im Falle solcher Ereignisse jetzt, wo sie sich nähern, etwas zu schaffen, wo sich die normalen Menschen aller politischen Anschauungen, aller sozialen Ebenen sowohl hinsichtlich Eigentumslagen als auch aller religiösen Konfessionen zusammenfinden können. Dies versuchen wir zu machen. Vielleicht rede ich etwas unartikuliert, beeinträchtigt von den Touren. Ich schreibe eigentlich besser als ich rede, in Wirklichkeit.

Unsere Beziehung zu Putin. Wir sind immer noch bereit, ihn zu unterstützen. Immer noch. Aber jetzt unterstützen wir eindeutig bereits nicht mehr, was er macht.

1:11:58

Frage: Igor Iwanowitsch, aber wenn dies alles an Putin und seine Verwaltung zu schreiben der Vorschlag wäre? –  Dies wird aufgegriffen werden!

Igor Strelkow: Diese Bombe reflektiert. Sie hat korporative Interessen. Sie fahren gemeinsam zum Essen, innerhalb dieser Bombe. Aber sie werden alles wegbeißen, was von außen da hineinzielt.

1:12:45

Frage: Ich bin eine Einwohnerin aus Lugansk, Mutter von zwei Kindern, einst Privatunternehmer. Hier (in Sankt Petersburg) befinde ich mich schon fast zwei Jahre. Der Vater ist vermißt. Er diente in der Volksmiliz im Bataillon von Mosgowoj. Wir kümmern uns darum und suchen nach ihm. Wir sahen, dass er in den Kriegseinsätzen war- Aber es gibt keine Informationen. Ich arbeite hier, um als Mutter zwei Kinder zu ernähren. Wie ist der vermisste Vater aufzufinden? Wohin wende ich mich mit diesem Anliegen?

1:13:35

Igor Strelkow: Leider haben wir jetzt keine Einflußhebel auf die Volksrepubliken Donezk und Lugansk. Jetzt planen wir im Rahmen des Komitees 25. Januar ein Unterkomitee für die Kriegsgefangenen und die Flüchtlinge, in erster Linie die Kriegsgefangenen und die politischen Häftlinge. Dann wird vielleicht auch eine Arbeit diesbezüglich erfolgen. Aber jetzt habe ich einfach keine konkreten Möglichkeiten, Ihnen ehrlich zu helfen. Ich kann auf die vorliegende Frage nicht antworten.

Frage: Können Sie überhaupt nicht helfen?

Igor Strelkow: Noch immer nicht. Möglicherweise sollten Sie sich an Eldar Osmanowitsch Chassanow wenden, der sich bei uns mit dieser Frage beschäftigt. Aber nur bis zu dem Punkt, daß der Fall in den Listen vermerkt wird, die wir jetzt versuchen zusammenzustellen.

1:14:40

Frage eines Volksmilizkämpfers: Genosse Kommandeur, folgende Frage: Kurz gefaßt, wie lautet Ihre Einschätzung der militärischen Lage? Was erwartet uns demnächst? Im Prinzip lautet die Frage, was nach Ihrem Denken die nächste Perspektive ist.

Igor Strelkow: Zuerst rede ich einfach über die Perspektive. Von Anfang an war der strategische Fehler in der Einschätzung gemacht worden, dass man mit den Ukrainern Vereinbarungen treffen könnte.

Die Ukrainer sind gar keine selbständige Kraft. So wie sie an die Macht gebracht wurden, ist jene Junta eine Marionette des Westens. Sie ist das Instrument, welches gegen Russland gerichtet ist. Sie hat eine einzige Aufgabe: tiefer vorzudringen und mehr Blut zu trinken.

Deshalb, in jedem Fall, egal wieviel „Minsk“ auch immer verfasst werden, auch wenn dies noch zehn weitere „Minsker Vereinbarungen“ sein würden,- alles wird nur auf eine Art zu Ende gehen: entweder zerschlagen die Ukrainer den Donbass, bei stiller Selbstbeseitigung Russlands. Oder sie werden selbst zerschlagen werden, und zwar endgültig und unwiderruflich.

Dies kann immer auch in Etappen erfolgen. Aber ohne die volle Zerschlagung der ukrainischen Armee, ohne die Kapitulation des Kiewer Regimes, ohne die bedingungslose Anerkennung Neurusslands selbst in jenen Grenzen, die jetzt da sind, wird dieser Krieg nicht zu Ende gehen. Dies wird noch viele Komplikationen und Opfer fordern …

Das heißt, alles, was seit dem Herbst 1914 war, ist Wirrwarr und absolut sinnlos gewesen. Damals hätte man siegen müssen. Für den äussersten Fall während der Debalzewo-Ereignisse. Dies wurde nicht gemacht und hat nach meiner Meinung faktisch einen riesigen Schaden für die Volksrepubliken Donezk und Lugansk und für Russland sowie im weiteren Sinn für die Ukraine, für das ukrainische Volk gebracht. Diese Meinung vertrete ich.

1:16:34

Jetzt zu den nächsten Perspektiven. Also, schon im Herbst sagte ich, dass die ukrainische Armee offensivbereit ist. Sie war schon damals offensivfähig. Aber bekanntlich ist die Armee nur ein Werkzeug der Politik. Die Armee unterwirft sich stets der Politik. „Das letzte Argument des Königs“, wie auf den Kanonen des 18. Jahrhunderts geschrieben stand.

Deshalb wartet die Ukraine oder das Regime dort eindeutig ab, daß die US-Amerikaner einen robusten Ansatz verfolgen, um eine entschlossene Offensive zu beginnen. Oder sie erwarten die Schwächung Russlands und ein Signal, das die Volksrepubliken Donezk und Lugansk von den gesamten Streitkräften Russlands nicht unterstützt werden würden. Darauf warten sie möglicherweise. Aber wenn aus Washington der Tritt erfolgt, werden sie dennoch trotz allem in die Offensive gehen.

Wann dies geschehen wird, weiß ich nicht. Ihre Überlegenheit ist ca. 5:1. Ich denke, dass Sie als Kämpfer aus einer Brigade den wirklichen Zustand perfekt kennen und nicht nur wissen, was im Fernsehen oder in den Werbefilmen der Armee der Volksrepublik Donezk vorgeführt wird, sondern was dort tatsächlich geschaffen wird. Ich denke, dass Sie auf dem Laufenden sind. Also, ich bin auch auf dem Laufenden. Sowohl in der Volksrepublik Lugansk als auch in der Volksrepublik Donezk besteht unterschiedslos etwa ein und dasselbe Bild. Dort gibt es keine wirklich kampffähigen Einheiten, sehr gelinde gesagt. Das Kräfteverhältnis als solches sagt das Ergebnis, sofern ohne Unterstützung Russlands, direkt voraus.

In mir arbeiten diesbezüglich keine analytischen Berechnungen, weil, wie ich hervorhebe, ich keine Informationen weder aus Kiew noch aus dem Kreml habe. Also, ich denke, dass in diesem Jahr das Abschlachten kommen wird. Wann sie anfangen werden, weiß ich nicht. Was für Ausmaße es haben wird …

Ich weiß nur eines: wenn Russland den Republiken wieder helfen wird, wenn die ukrainische Armee müde werden wird, und wenn wir, also, stehenbleiben werden, wird nach dem dritten Kreis alles wiederholt werden. Bis zur erneuten Wiederherstellung der Armee der Ukraine. Solches bemerkenswerte Instrument für ein Ausbluten Russlands, des russischen Volkes, wird US-Amerika niemals aus den Händen geben.

Man fällt oder zerschlägt sie vollständig. Oder man wartet, bis sie wieder angreifen. So läuft das.

1:19:17

Frage: Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Igor Iwanowitsch. Mein Deckname ist „Pastor“, ich bin Ruslan Alexandrowitsch Starodubow. Ich vertrete die Organisation „Veteranen Neurusslands“, eine öffentliche Organisation. Wir arbeiten in Sankt Petersburg. Wir haben regionale Vertreter.

Hier kommt die erste Frage. Ob Sie wissen, dass das Museum Neurussland in der Stadt Sankt Petersburg existiert? Wie stehen Sie dazu? Unterstützen Sie die Beziehung zu ihm?

Hier kommt die zweite Frage. Die Veteranen Neurusslands sind bereit zusammenzuarbeiten, zusammenzuwirken, und Sie als Führer des Komitees 25. Januar zu unterstützen. Jedoch wäre es der deutlicheren Position wegen wünschenswert, erstens und zweitens das Programm über die Aktionen zu erhalten. Für uns Veteranen, Freiwillige, Soldaten … ist das Handeln notwendig.

1:20:30

Igor Strelkow: Ich werde mit Punkt 2 beginnen, sozusagen. Stellen Sie sich vor, Sie seien der Freiwillige, der Soldat. Wenn ich Sie irgendwo in Donezk oder Slawjansk herbeigerufen hätte und gesagt hätte: ‚Und nehmen Sie mir Isjum ein …‘

Was hätten Sie mir geantwortet? Sie mir hätten gesagt: ‚Geben Sie mir zwei Batterien selbstfahrende Haubitzen, die Einheit mit der „Grad“-Raketenartillerie, drei Bataillone an Infanterie, ein Panzer-Bataillon, Luftwaffenunterstützung wäre wünschenswert, sowie das Deckungsfeuer aus der Luft dort über diesem Kampfgebiet.‘ Und ich hätte Ihnen gesagt: ‚Entschuldige, Bruder, ich habe nur 150 Karabiner SКS und hundert Patronen zu jeder Waffe.‘

Würden Sie für mich damit Isjum … befreien? Hätten Sie das gemacht?

Ich denke, Sie hätten mich sozusagen auf die Reise zu Fuß losgeschickt, stimmt’s? Also, oder Sie hätten gesagt, dann nimm mal einen Karabiner, Igor Iwanowitsch, und gehe vorwärts, vor uns.

Frage: Ja, so haben … (Lärm im Saal, einige Stimmen antworten durcheinander)

Igor Strelkow: Möglicherweise, ja … zu mir drangen beispielsweise Militärangehörige vor, die am dritten Tag Debalzewo zu nehmen im Begriff waren und von dort aus nach Slawjansk binnen einer Woche vorzustoßen bereit waren. Laßt sie dies doch anpacken, sie beendeten alle die Akademien … wenn ich Sie jetzt beginnen werde, Sie zu mir zu nehmen, weniger Worte, mehr Aktionen … Sie werden mir sagen: ‚Aber wo sind die Einsatzmittel, Igor Iwanowitsch?‘ Und ich werde sagen: ‚Es gibt doch keine Mittel.‘ Und Sie an mich ‚Aber Sie, Igor Iwanowitsch, führen Sie  selbst vor, was Sie ohne Mittel vermögen.‘ Und ich kann nicht. Also, dann bist du wohl etwas zu weit gegangen.

So antworte ich selbst. Ich habe jetzt keine Mittel, um die Volksmilizkämpfer hier zu organisieren. Die Mittel werden vom Staat, viel mehr von der Verwaltung, dem auserwählten Herrn Borodaj zugewiesen. Und er schleift sie erfolgreich. Anstandshalber muß man zugeben, das ein wenig davon sowohl den Volksmilizkämpfern als auch den Verwundeten zugute kommt. Aber das Meiste versickert.

Ich habe keine Mittel. Alles, was wir sammeln, geht bis zur letzten Kopeke an die Verwundeten selbst. Es ist das Maximum, was wir machen können. Wir senden zwei Lastwagen im Monat in den Donbass an irgendwelche Bataillone dort. Das ist alles, was wir können. Hätten wir die Mittel, glauben Sie mir, dann blieben Sie nicht unbeachtet unsererseits. Es gibt jetzt keine Mittel. So die Antwort auf Ihre zweite Frage.

1.22.51

(FORTSETZUNG FOLGT)

Video-Links: https://www.youtube.com/watch?v=m8pxyHsl38E

Quelle: http://chervonec-001.livejournal.com/1302870.html

Advertisements

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Archiv

Eine Chronik der Ereignisse

April 2016
M D M D F S S
« Mrz   Mai »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930  
Follow SLAVYANGRAD.de on WordPress.com

Gib hier Deine Email ein um uns zu folgen und per Email über neue Beiträge informiert zu werden.

Schließe dich 18.169 Followern an

Frühere Beiträge

Statistik

  • 70,195 hits
%d Bloggern gefällt das: